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Im Buchstabensalat der Zertifikate

aus NZZ-Schwerpunkt "Weiterbildung" vom 05.06.2026
Text: Yvonne Vahlensieck
 

Auch nach dem Hochschulabschluss geht das Lernen weiter, am besten lebenslang.
Eine kleine Tour durch die Welt der Nachdiplomstudiengänge.

Neben Bachelor- und Masterstudiengängen bieten Hochschulen auch Weiterbildungen auf der sogenannten Quartärstufe an. Diese können sich einem ganz spezifischen Thema widmen oder aber breit aufgestellt und interdisziplinär sein. Für die Zulassung ist in der Regel ein Bachelor- oder Masterabschluss erforderlich. Beim Nachweis von genügend Erfahrung und Kenntnissen ist aber oft auch eine Aufnahme «sur dossier» möglich. Die Kurse dauern zwischen einem halben und mehreren Jahren und laufen normalerweise berufsbegleitend.

CAS: Überschaubarer Einstieg in ein Fachgebiet

Das Certificate of Advanced Studies (CAS) ist eines der beliebtesten Weiterbildungszertifikate in der Schweiz – wohl auch, weil Zeit und Kosten überschaubar sind. Ein CAS dauert zwischen einem halben und einem ganzen Jahr. Ziel ist der Erwerb von neuen Kenntnissen oder Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich.

Meist ist das Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit oder eine Abschlussprüfung erforderlich. Für ein CAS muss ein Arbeitsaufwand von mindestens 10 Kreditpunkten (ECTS, siehe weiter unten) geleistet werden. Kosten: 5000 bis 12 000 Franken.

DAS: Vertiefter Einblick mit Diplomarbeit

Ein Diploma of Advanced Studies (DAS) bietet einen vertieften Einblick in die Materie und dauert ein bis zwei Jahre, in denen mindestens 30 Kreditpunkte erarbeitet werden. Zum Abschluss fällt das Anfertigen einer grösseren Diplomarbeit an. Einige Hochschulen bieten auch ein modulares System an, mit dem sich etwa zwei CAS zu einem DAS kombinieren lassen.

Ebenso ist es manchmal möglich, die Kreditpunkte aus einem DAS auf einen weiterführenden MAS-Abschluss anzurechnen. Kosten: 15 000 bis 30 000 Franken.

MAS: Weiterbildung auf Masterniveau

Trotz der ähnlich klingenden Bezeichnung ist der Master of Advanced Studies (MAS) nicht das Gleiche wie ein regulärer Masterabschluss an einer Hochschule. Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die nach dem Studium schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Meist ist der Studiengang in Module aufgeteilt, die sich über mehrere Jahre verteilen und mindestens 60 Kreditpunkte ergeben.

Kombinationen aus mehreren CAS respektive DAS zu einem MAS sind möglich. Dadurch kann der Erwerb des Abschlusses auch über einen längeren Zeitraum gestreckt werden. Kosten: 20 000 bis 30 000 Franken.

MBA und EMBA: Management, Netzwerk und Führung

Einer der bekanntesten Nachdiplomstudiengänge ist der Master of Business Administration (MBA), eine Art MAS im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Der Abschluss kommt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum, hat mittlerweile aber auch in Europa und an Schweizer Hochschulen Fuss gefasst. Die Weiterbildung zum MBA nutzen viele, um sich Kompetenzen in den Bereichen Management, Finanzen und Marketing anzueignen – oft auch Personen, die aus anderen Fachrichtungen kommen und nun in der Privatwirtschaft oder an Institutionen zu einer Führungsposition aufsteigen wollen. Bei diesem Abschluss spielt neben dem Wissenserwerb auch der Aufbau eines Netzwerks eine entscheidende Rolle.

Eine Art MBA für Fortgeschrittene ist der Executive Master of Business Administration (EMBA) für Personen, die schon über viel Führungserfahrung und Berufspraxis verfügen. Kosten: 30 000 bis 80 000 Franken.

ECTS: Was Kreditpunkte vergleichbar macht

Das European Credit Transfer System (ETCS) gibt es seit der Vereinheitlichung der Studiengänge im Zuge der Bologna- Reform. Die Kreditpunkte sind ein Mass für den geleisteten Gesamtarbeitsaufwand inklusive Vor- und Nachbereitungen; ein Punkt entspricht etwa dreissig Stunden. Für ein CAS mit 10 Kreditpunkten fallen also rund 300 Stunden Arbeitsaufwand an. Zum Vergleich: Für einen Bachelorabschluss sind 180 Kreditpunkte erforderlich, für einen Masterabschluss 90 bis 120 Kreditpunkte.

Das System macht die erbrachten Leistungen transparent und vergleichbar. Auch ein Transfer der Punkte zwischen Bildungsinstitutionen und Studiengängen ist möglich.

Was bedeuten CAS, DAS und MAS?

CAS, DAS und MAS sind Weiterbildungsabschlüsse auf Hochschulstufe. Ein CAS ist meist kompakter und thematisch fokussiert. Ein DAS vertieft ein Fachgebiet stärker und umfasst mehr Kreditpunkte. Ein MAS ist umfangreicher, dauert oft mehrere Jahre und richtet sich in der Regel an Berufserfahrene, die ihre Kompetenzen auf hohem Niveau erweitern möchten.

 


"Weiterbildung ist immer individuell"

Worauf sollte man bei der Wahl einer Weiterbildung achten? Dr. Claudia Hahn, Fachspezialistin Weiterbildung an der Universität Basel, erklärt, wann sich ein Nachdiplomstudium lohnt und wie ECTS-Punkte bei der Auswahl helfen.

Frau Hahn, ein Nachdiplomstudiengang kostet Zeit, Arbeit und nicht zuletzt auch eine Stange Geld. Was bringt das?

Das kommt immer ein bisschen auf die persönlichen Ziele an. Einige wollen sich einfach in ihrem Fach weiterentwickeln und ihre Kompetenzen vertiefen. Andere möchten ihre Kenntnisse oder Fähigkeiten ausweiten als Vorbereitung für den nächsten Karriereschritt. Oft geht es auch darum, am Ball zu bleiben und nicht von Jüngeren abgehängt zu werden, etwa bei neuen technologischen Entwicklungen wie KI. Manchmal steht als Motivation auch die persönliche Weiterentwicklung im Vordergrund, egal ob es im Beruf etwas bringt oder nicht. An unseren Angeboten nehmen teilweise auch ältere Menschen teil – aus reiner Neugier an einem Thema.

Dr. Claudia Hahn, Fachspezialistin Weiterbildung an der Universität Basel (Bild: © Universität Basel)

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen?

Auch das ist unterschiedlich. Prinzipiell ist es immer von Vorteil, Berufserfahrung mitzubringen. In manchen Studiengängen ist das auch eine Zulassungsvoraussetzung. Ein Kernpunkt dieser Weiterbildungen ist nämlich, dass die Studierenden ihre eigenen Erfahrungen in den Austausch einbringen, das ist sehr wertvoll. Es gibt aber auch Fachbereiche, in denen eine Weiterbildung direkt nach dem Studium möglich ist. Dies ist zum Beispiel in der Psychologie der Fall, wenn es um eine Ausbildung zur Psychotherapeutin geht. Man muss aber auch die eigene Lebenssituation berücksichtigen. Wenn ich gerade mit Beruf und Familie komplett ausgelastet bin, sollte ich vielleicht noch ein bisschen warten oder eine weniger arbeitsintensive Weiterbildung absolvieren.

Worauf sollte ich bei der Auswahl eines Nachdiplomstudiengangs achten?

Weiterbildung ist immer individuell. Man sollte sich vorher überlegen, was man eigentlich erreichen will. Die klassische wissenschaftliche Weiterbildung fokussiert sich auf eine Spezifizierung, Vertiefung und Erweiterung von Kenntnissen. Es gibt aber auch interdisziplinäre Angebote, bei denen Kompetenzen aus verschiedenen Fachgebieten kombiniert werden. Es hilft auch, sich die Dozierenden anzuschauen. Haben diese die Fachexpertise, die für mich wichtig ist?

Wie finde ich den richtigen Anbieter?

Empfehlenswert ist ein Studiengang, für den ECTS-Punkte vergeben werden. Da kann man wenig falsch machen, da man solche Angebote in der Schweiz nur an anerkannten Universitäten und Fachhochschulen findet. Dann ist klar, wie viel Leistung für ein Zertifikat oder Diplom erbracht wurde. Sonst ist das für potenzielle Arbeitgebende schwer einzuschätzen. In der Schweiz haben die verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen auch gewisse thematische Schwerpunkte. Zum Beispiel haben wir hier in Basel viele Angebote im Bereich Medizin und Pharmazie, die Hochschule St.Gallen ist mehr auf Wirtschaftsthemen spezialisiert.

Haben Sie sonst noch einen Tipp?

Wenn es sich einrichten lässt, sollte man eine Weiterbildung belegen, bei der ein Grossteil der Veranstaltungen im Präsenzunterricht stattfindet. Denn dort können sich die Teilnehmenden viel besser untereinander und auch mit Dozierenden vernetzen, als wenn der Unterricht nur digital oder über eine Lernplattform stattfindet. Das Knüpfen von neuen Netzwerken und Kontakten ist etwas, das in der Erwachsenenbildung eine wichtige Rolle spielt. Es wäre doch schade, wenn man sich erst bei der Diplomfeier zum ersten Mal persönlich begegnet.

Interview: Yvonne Vahlensieck
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