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Universität Basel

Likes fürs Labor

Text: Olivia Poisson

Doktorieren kann manchmal eine einsame Sache sein – nicht so für die Chemikerin Martina Hestericová. Die Vermittlung von Wissenschaft über soziale Medien ist zu ihrer Leidenschaft geworden.

Martina Ribar Hestericová. (Bild: Universität Basel, Florian Moritz)
Martina Ribar Hestericová. (Bild: Universität Basel, Florian Moritz)

Wenn die junge Wissenschaftlerin ihrer Forschung nachgeht, so tut sie das in Begleitung tausender Menschen. Denn die gebürtige Slowakin tummelt sich sehr erfolgreich in den sozialen Medien und postet täglich aus ihrem Labor. Mit Selfies und Selbstdarstellung hat das aber nichts zu tun. Hestericová will andere für die Naturwissenschaften begeistern. Und das kommt an: Fast 10’000 Follower hat ihr Instagram-Kanal mittlerweile, und er wächst stetig weiter.

Webseite als Familienprojekt

Bei Hestericová scheint die Begeisterung für die Naturwissenschaften in der Familie zu liegen. Als ihr Grossvater nach 40 Jahren als Mathematik- und Physiklehrer pensioniert wurde, programmierte ihr Vater eine Webseite für ihn – zum Schutz vor Langeweile. Mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler in den Fächern Mathematik und Physik zu unterstützen, stellte der Grossvater seine reiche Sammlung an Übungen und Erklärungen online.

Seit dem Tod des Grossvaters hat nun die Enkelin die Redaktion übernommen und die Webseite um das Fach Chemie erweitert. Heute ist das Online-Portal priklady.eu in Tschechien und der Slowakei mit rund fünf Millionen Besuchern pro Jahr sehr beliebt. Seit Hestericovás Schwester die Texte auch noch vom Slowakischen ins Englische übersetzt, finden sogar User aus den USA oder Indien ihren Weg zum Portal. «Momentan versuche ich, meinen Mann zu überzeugen, eine Rubrik zu organischer Chemie beizusteuern – bisher hat er sich aber noch davor gedrückt», verrät Hestericová, deren Ehemann ebenfalls am Departement Chemie der Universität Basel doktoriert.

Bei einer erfolgreichen Webseite wollte es die Chemikerin aber nicht belassen. Mit der Idee, die Webseite über Social Media noch bekannter zu machen, begann sie vor rund zwei Jahren mit verschiedenen Kanälen zu experimentieren. «Ich hatte zuerst keine Ahnung davon und musste zum Beispiel erst mal nachlesen, was ein Hashtag überhaupt ist», erzählt Hestericová. Sie lernte schnell – und heute postet sie täglich Fotos oder kurze Videos aus ihrem Chemielabor. Am erfolgreichsten ist sie damit auf Instagram unter @priklady.eu.

Schönheit der Wissenschaft

Was anfangs als Mittel zum Zweck für die Webseite begann, ist mittlerweile zu einem eigenständigen Projekt geworden. Während die Webseite sich an Schüler und Schülerinnen wendet und ihnen bei Hausarbeiten oder Prüfungen helfen soll, verfolgt Hestericová mit Instagram ein anderes Konzept: «Instagram ist für mich ein eigenständiger Kanal zur Wissenschaftsvermittlung geworden. Als Forscherin kann ich hier direkt mit jungen Menschen kommunizieren, die ich über andere Kanäle wohl nie erreichen würde.»

Instagram lebt noch stärker als andere soziale Medien vom Bild, genauer: von schönen Bildern. Inspiration für tolle Motive findet Hestericová überall in ihrem Labor: von dampfenden Versuchsaufbauten über glitzernde Laborgläser bis zu fluoreszierenden Flüssigkeiten – ihre Fotos zeigen die Chemie von ihrer ästhetischen Seite. Dabei versteht es Hestericová, einen guten Mix an ansprechendem Bildmaterial und sachlicher Information zu schaffen. Was auf ihren Fotos und Videos zu sehen ist, erklärt Hestericová jeweils in längeren Bildunterschriften. Dabei vergisst sie auch die zwei wichtigsten Zutaten im Bereich der Social Media nicht: Menschlichkeit und Humor.

Geschichten aus dem Labor

Wie für die sozialen Medien üblich, ist auch auf Instagram der Austausch mit der Community ein zentraler Aspekt. Oft bitten User Hestericová in den Kommentaren um Ratschläge zur Studienwahl oder sie haben Fragen zum Doktorat und der Arbeit im Labor. Wann immer möglich, versucht sie, direkt zu helfen, oder vermittelt weiter. «Wenn wir mehr junge Menschen für ein naturwissenschaftliches Studium gewinnen wollen, müssen wir auf die sozialen Medien setzen, denn genau hier hält sich die Zielgruppe auf und lässt sich begeistern», erklärt die Slowakin.

Über ihre Online-Präsenz kommuniziert sie zwar als einzelne Wissenschaftlerin mit der Öffentlichkeit, sie wird aber auch als Botschafterin der Universität Basel und als Vorbild für Frauen in der Forschung generell wahrgenommen: «Ich setze mich bewusst und gerne dafür ein, dass sich mehr Frauen in die Chemie trauen.» Mit dieser Einstellung ist sie bei weitem nicht alleine in den sozialen Netzwerken unterwegs, unter Hashtags wie #WomenInScience oder #WomenInStem posten viele Forscherinnen aus ihrem Arbeitsalltag, um andere junge Frauen für diesen Bereich zu begeistern.

Leidenschaft, Wissen zu vermitteln

In der Wissenschaftsvermittlung hat Hestericová ihre grosse Leidenschaft gefunden. «Ich möchte aus meinem Hobby einen Beruf machen. Mein Traum wäre es, nach Abschluss meines Doktorats in der Wissenschaftskommunikation zu arbeiten», schwärmt sie. Begonnen hat alles mit der Webseite vor ein paar Jahren, aber auch durch ihre Lehrtätigkeiten als Doktorandin und die Zusammenarbeit mit Studierenden hat sie gemerkt, dass ihr der Aspekt des Vermittelns von Wissenschaft am meisten Spass macht.

Richtig «klick» gemacht hat es für Hestericová aber letztes Jahr während eines Workshops von «Antelope», einem Karriereprogramm speziell für weibliche Doktorierende und Postdocs der Universität Basel. «Wir mussten uns überlegen, was uns von anderen Doktorierenden unterscheidet. Da wurde mir bewusst, wie sehr es mir Spass macht, anderen die Wissenschaft zu erklären», berichtet Hestericová.

Ihre Leidenschaft verfolgt die Chemie-Doktorandin nicht nur in digitalen Netzwerken, sie schreibt auch regelmässig Artikel für die Wissenschaftsseite einer slowakischen Tageszeitung und vertritt ihr Departement an Veranstaltungen. An Wissenschaftsevents wie der Uni-Nacht, Kids@Science oder dem Fest der Moleküle begeistert sie regelmässig Gross und Klein mit chemischen Experimenten. «Ich finde es einfach toll, wenn ich Menschen für die Naturwissenschaften begeistern kann – ich bin selber immer wieder überrascht, wie viele Leute sich dafür interessieren».

Martina Hestericová wurde 1990 in der Slowakei geboren und studierte Biochemie und Bioorganische Chemie an der Comenius-Universität in Bratislava. Seit September 2013 ist sie Doktorandin in der Forschungsgruppe von Prof. Thomas Ward am Departement für Chemie der Universität Basel, wo sie an der Entwicklung und Optimierung von künstlichen Metalloenzymen forscht.

Weitere Artikel in der aktuellen Ausgabe von UNI NOVA.

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