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Geld. (01/2026)

Facetten der Einsamkeit.

Text: Annika Rohrmoser, Medizinethikerin

Annika Rohrmoser forscht zu Einsamkeit. Dafür befragt die Doktorandin unterschiedliche Menschen in der Schweiz über ihre Erfahrungen. Die Gespräche bezeichnet sie als bereichernd.

Junge Frau sitzt auf einer Bank im Grünen mit einem Buch
Annika Rohrmoser, Doktorandin in Bio- und Medizinethik (Foto: Eleni Kougionis)

Nach dem Schulabschluss habe ich mich für das Psychologiestudium entschieden, weil dieses Fach viele verschiedene Bereiche vereint: die Möglichkeit, mit Menschen zu arbeiten, aber auch, an der Universität viel über Statistik und Forschungsmethoden zu lernen. Dieser Wunsch nach Vielfalt oder vielleicht auch danach, sich nicht für nur eine Sache entscheiden zu müssen, hat sich fortgesetzt: In meinem Doktorat forsche ich zu Einsamkeit, einem extrem vielfältigen Thema.

Aus Perspektive von Psychologie und Public Health geht es dabei vor allem um Fragen von Gesundheit und Wohlbefinden, also darum, ob Einsamkeit auch ein Anzeichen nicht so guter (psychischer) Gesundheit ist und wie sich das Einsamkeitserleben effektiv reduzieren lässt. Doch in meiner Arbeit am Institut für Bio- und Medizinethik kann ich das Thema auch aus anderen Richtungen beleuchten, zum Beispiel in Bezug auf Fragen von sozialem Ausschluss und Marginalisierung oder auch Gerechtigkeit und Wohlstandsverteilung.

In Gesprächen mit Menschen aus der Schweiz für unser Forschungsprojekt lerne ich deren ganz individuelle Perspektive kennen. Im Grunde hat jeder Mensch schon Erfahrungen mit Einsamkeit gesammelt und für manche ist sie tatsächlich ein extrem belastendes Problem.

Es stellt sich die Frage, was neben eigener Initiative auch von staatlicher oder zivilgesellschaftlicher Seite unternommen werden kann, um damit umzugehen. Andere beschreiben Einsamkeit eher als einen ureigenen Teil der menschlichen Erfahrung, an dem wir auch wachsen können. Hier kommen für mich existenziell-philosophische Fragen auf. Die Gespräche sind für mich extrem bereichernd.

Diese Vielfalt an Blickwinkeln unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Zugleich finde ich es sehr erfüllend, an einem so allgegenwärtigen und für viele Menschen relevanten Thema zu arbeiten und zu schauen, ob es Punkte gibt, an denen sich ansetzen lässt. Auch wenn das Doktorat einige Hürden bereithält, bin ich mit den Herausforderungen zum Glück nicht allein: Ich habe ganz wundervolle Kolleg*innen im Projekt und am Institut, mit denen sich bisher noch alles mit einem gemeinsamen Lachen irgendwie meistern liess.

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