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Geld. (01/2026)

Mein Buch: Denken im Wandel.

Text: Karsten Engel

Wie hat sich das Denken im Laufe der Zeit transformiert? Und woran lässt sich der Wandel festmachen? Die Beiträge in dieser philosophischen Ferstschrift gehen diesen Fragen nach und zeigen: Veränderung und Beständigkeit liegen näher beieinander, als man zunächst denkt.

Mann mit Brille an einem Tisch mit einem offenen Buch
Dr. Karsten Engel (Foto: Andreas Zimmermann)

Sie kennen die grossen Epochen der Geschichte sicher noch aus der Schule: Auf die Antike folgte das Mittelalter. Mit der Renaissance und dem Humanismus wurde um 1500 die (Frühe) Neuzeit eingeläutet. Und diese führte wiederum über die Moderne bis in die Gegenwart.

Vielleicht haben Sie sich damals wie ich mich auch etwas naiv gefragt, wie es sich für die Menschen an dem Tag wohl angefühlt hat, an dem das Mittelalter vorüber war. Haben sie auf einmal anders gedacht? Wurde über Nacht plötzlich alles moderner?

Später wurde mir klar, dass es keinen solchen Tag X gegeben haben kann, sondern dass das Ganze ein langwieriger Transformationsprozess gewesen sein muss.

Das Gleiche gilt für die Philosophie und ihre Geschichte. Die Frage, wie das philosophische Wissen im Spätmittelalter bis ins 17. Jahrhundert hinein transformiert wurde, hat Ueli Zahnd und mich angetrieben, Beiträge von geschätzten Kolleginnen und Kollegen zusammenzutragen, die darauf Bezug nehmen.

Anders als viele andere Darstellungen dieses Themas in der Forschung soll unser Buch keine neue Erzählung etablieren. Stattdessen zeigen die Autorinnen und Autoren selbst anhand ihrer (Lieblings-)Quellen oder bestimmter Quellenkorpora, wie sich philosophische Gedanken in jener Zeit wandelten. Wir haben sie darum gebeten, von Quellen, Gedanken oder Instrumenten zu berichten, die eher im Schatten der spektakulären Erneuerungsprojekte der Renaissance standen. Erzählt wird beispielsweise über Wandteppiche und Kompasse.

Dabei fällt auf, dass die wenigsten von ihnen auf eine Veränderung abzielten. Sie sind viel subtiler angelegt, suchen eine Rückbindung an die (mittelalterliche) Tradition und setzen daher auf Beständigkeit. Dass es eben diese braucht, um Veränderung zu etablieren und zu stabilisieren, ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sich mit dem Buch zeigen lässt. Sie ist wohl auch eine der Botschaften, die der Philosophieprofessor Maarten J.F.M. Hoenen seinen Studierenden an der Universität Basel immer mitgegeben hat, bevor er 2025 emeritiert wurde. Ihm ist das Buch als Festschrift gewidmet.

Karsten Engel (Bild) ist Fachreferent für Philosophie, Medienwissenschaften und Pädagogik und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Direktion der Universitätsbibliothek Basel.

Ueli Zahnd ist Professor und Leiter des Instituts für Reformationsgeschichte der Universität Genf.


Weitere Artikel in dieser Ausgabe von UNI NOVA (Mai 2026).

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