SAGW verleiht Melissa Jauch den Early Career Award 2026
Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften SAGW würdigt bereits zum dreissigsten Mal die Leistung von Nachwuchsforschenden mit dem Early Career Award. Den ersten Preis erhielt in diesem Jahr die Sozialpsychologin Dr. Melissa Jauch von der Universität Basel.
09. Juni 2026
Warum sind Menschen bereit, sich mit politisch anders Gesinnten auszutauschen? Welche Faktoren beeinflussen die Diskussionsbereitschaft? Im Interesse des gesellschaftlichen Dialogs über politische Gräben hinweg untersuchte Melissa Jauch diese Fragen. Sie sagt: «Offenheit ist nicht nur wichtig, um Personen aus anderen politischen Lagern besser zu verstehen. Sie befähigt uns auch dazu, die eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen.»
Gemeinsam mit anderen Forschenden entwickelte Melissa Jauch das Messinstrument WEDO («Willingness to engage with differently minded others»), das erfasst, wie gross die Bereitschaft zum Gespräch mit Andersdenkenden ist. Das Instrument erlaubt es zudem, nicht nur die grundsätzliche Offenheit für einen Austausch zu messen, sondern auch, wie weit das Spektrum an abweichenden Meinungen reicht, das eine Person in einer Diskussion akzeptieren würde. Dadurch können Faktoren identifiziert werden, die den Dialog über politische Gräben hinweg fördern oder erschweren.
Eine zentrale Erkenntnis: Nicht die Kontroversität eines Themas hält Menschen in erster Linie von einem Gespräch ab, sondern persönliche Merkmale, etwa das Vertrauen ins eigene Bauchgefühl.
Die Jury würdigte die hochwertige Forschung zu diesem aktuellen Thema. Sie betonte zudem die vorbildliche Transparenz und den freien Zugang zu sämtlichen Daten, Code und Materialien sowie die Bereitstellung des Messinstruments über eine App.
Melissa Jauch ist Postdoktorandin an der Abteilung für Sozialpsychologie der Universität Basel. Sie promovierte 2023 mit der Dissertation And yet it Hurts: Undiminished Social Pain and the Harm of Long-Term Social Exclusion.