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Universität Basel

Generationen verbinden durch Bewegung.

Text: Céline Eugster

Ältere Menschen, aber auch Kinder leiden oft an Bewegungsmangel. Basler Sportwissenschaftler haben Projekte entwickelt, um die beiden Gruppen gemeinsam in Bewegung zu halten.

Grossvater und Enkelin balancieren auf dem Wackelbalken und beim Pedalen steigt eine Wasserfontäne hoch: Im Basler Schützenmattpark sieht man Jung und Alt zusammen an den unterschiedlichsten Geräten in Bewegung. Diese sind ein Geschenk der Stiftung Hopp-la an die Stadt Basel und wurden eigens dafür konzipiert, Kraft und Gleichgewicht spielerisch zu trainieren. Hopp-la ist ein intergeneratives Bewegungs- und Gesundheitsförderungsprojekt, das im Rahmen einer Masterarbeit am Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit (DSBG) der Universität Basel entstanden ist.

Die Idee dahinter ist simpel, aber effizient: Ältere Menschen sollen zu mehr Bewegung motiviert werden. Mittlerweile hat sich das Basler Pilotprojekt auf andere Teile der Schweiz ausgedehnt. Hier zeigt sich auch ein wichtiges Anliegen der Sportwissenschaftler: Ihre Erkenntnisse sollen den Weg in die Praxis finden, wie Prof. Dr. Lukas Zahner, Professor für Bewegungs- und Trainingswissenschaften, erklärt.

Erhöhtes Lebensglück

Aus der Forschung ist bekannt, dass die Muskelkraft und die Balance im Lebensverlauf zu- und wieder abnehmen. Kinder haben daher ihre Leistungsfähigkeit noch nicht genügend aufgebaut, Ältere verlieren sie bereits wieder. An diesem Punkt setzen die Basler Forschungsprojekte an, während die Stiftung Hoppla für die praktische Umsetzung sorgt: Es geht konkret um sicheres Gehen und Sturzprävention. Die Lebensqualität, die Gesundheitszufriedenheit, die Selbstständigkeit, aber auch die Angst vor Stürzen von Älteren sind in hohem Mass von ihrer Bewegungsaktivität abhängig. Sich gemeinsam zu bewegen, sich gegenseitig punkto Gleichgewicht und Kraft herauszufordern, ist nicht nur sinnvoll, sondern macht erst noch Spass. Die Bewegungsfreude der Kinder überträgt sich auf die älteren Menschen, und beide Generationen können physisch, psychisch und auch sozial voneinander profitieren.

Die Vorteile dieser gemeinsamen Bewegungsaktivitäten zu belegen, ist auch Ziel eines Dissertationsprojekts, das derzeit am DSBG im Aufbau ist. Hier geht es darum, den zusätzlichen Nutzen eines intergenerativen Trainings im Gegensatz zu einem altersspezifischen Training nachzuweisen. So sollen ältere Menschen nicht nur mehr Kraft und Gleichgewicht aufbauen, auch ihre praktische und soziale Selbstständigkeit und die Gesundheitszufriedenheit sollen sich durch den Sport mit Kindern und Grosskindern verbessern, so Zahner. Emotionale und soziale Faktoren spielen also eine genauso wichtige Rolle, wenn es um Fitnesstraining im Alter geht.

Länger selbstständig

Mehr Bewegung im Alter hat viele Vorteile, für den Körper wie für die Psyche. «Bewegung und Sport helfen nicht nur gegen Stürze», sagt Zahner. So kann mehr Bewegung etwa bei Altersdiabetes und leichten Depressionen denselben Effekt haben wie Medikamente. «Unser intergenerativer Ansatz ist wahrscheinlich der günstigste und hat erst noch positive Nebenwirkungen», sagt Zahner weiter.

Zudem könne Bewegung helfen, Kosten zu sparen, da die Menschen bis ins hohe Alter selbstständig bleiben könnten. Bedenkt man, dass in der Schweiz heute die Altersgruppe der über 50-Jährigen die grösste Gruppe bildet, sind solche Forschungsergebnisse von hoher Relevanz.

Bewegung und Sport halten aber nicht nur im Alter die Gesundheitskosten tief. In einem neuen Forschungsprojekt von Zahner geht es um die Vorteile des «Personal Health Coaching». «Bewegungsmuffel» sollen dabei durch regelmässige Telefonanrufe zum Training motiviert werden. Die Methode hat Erfolg: Auch nach dem Ende des sechsmonatigen Coachings halten die Probanden eine erhöhte Bewegungsaktivität bei. Nun soll das Modell ausgebaut und wenn möglich auch auf Diabetiker, schwangere Frauen, Menschen mit Rückenproblemen und Ältere angewendet werden. Durch eine solche präventive Gesundheitsförderung, sagt Zahner, könnten auch die Krankenkassen zukünftig viel Geld einsparen. «Bewegung ist oft die beste Medizin».

Lukas Zahner ist Professor für Bewegungs- und Trainingswissenschaften am Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit der Universität Basel.

Weitere Artikel in der aktuellen Ausgabe von UNI NOVA.

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