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Universität Basel

07. April 2021

Verschwörungstheorien und Denkverzerrungen in der Covid-19-Pandemie

"Scamdemic" Schriftzug auf Wand
«Die Pandemie ist ein Schwindel»: Verschwörungstheorien haben in Krisenzeiten Hochkonjunktur. (Symbolbild: The Blowup, unsplash)

Verschwörungstheorien scheinen im Laufe der Covid-19-Pandemie an Beliebtheit zu gewinnen. Doch wie stark stimmen Menschen ihnen tatsächlich zu, und wie hängt das mit Denkverzerrungen zusammen? Ein Forschungsteam der Universität Basel hat dies in der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland untersucht.

Krisenzeiten haben oft die Entstehung und Verbreitung von Verschwörungstheorien begünstigt, so auch die Covid-19-Pandemie. Ein Forschungsteam um Sarah Kuhn und Dr. Thea Zander-Schellenberg von der Universität Basel hat untersucht, wie gross die Zustimmung zu Coronavirus-bezogenen Verschwörungstheorien in der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland ist, und welche psychologischen Faktoren damit zusammenhängen. An der anonymen Online-Umfrage im Juli 2020 nahmen über 1600 Personen teil, davon 554 aus der Schweiz. Die Befunde sind nun im Fachjournal «Psychological Medicine» erschienen.

Erfasst wurden neben demographischen Angaben auch die Zustimmung zu mehreren Coronavirus-bezogenen Aussagen, die eine Verschwörung hinter der Entstehung der Pandemie oder der Kommunikation dazu vermuten. Zudem wurden in der Befragung momentan empfundener Stress, Paranoia-ähnlichen Erfahrungen sowie anhand von Schlussfolgerungs-Aufgaben verschiedene Denkverzerrungen erhoben. Unter letztere fallen beispielsweise die Tendenzen, systematisch auf Basis unzureichender Informationen Schlüsse zu ziehen oder auch Informationen, die der eigenen Haltung widersprechen, weniger in eigene Schlussfolgerungen zu integrieren.

Rund ein Zehntel stimmt Verschwörungsaussagen stark zu

Im Durchschnitt stimmten knapp 10 Prozent aller Befragten einer Verschwörungsaussage stark, weitere 20 Prozent wenig oder mässig und ungefähr 70 Prozent gar nicht zu. Diese Verteilung war sowohl innerhalb der schweizerischen Befragtengruppe als auch der deutschen Befragtengruppe festzustellen. Den grössten Anklang fanden Aussagen, die nahelegten, dass das Virus menschengemacht oder die offizielle Erklärung zu der Ursache des Virus anzuzweifeln sei.

Teilnehmende, die den präsentierten Aussagen stärker zustimmten, waren im Durchschnitt jünger, gestresster und berichteten über mehr Paranoia-ähnliche Erfahrungen (zum Beispiel «Fremde und Freunde schauen mich kritisch an»). Sie wiesen ausserdem eine politisch extremere Haltung sowie ein geringeres Bildungsniveau auf. Die Zustimmungswerte unterschieden sich nicht zwischen Geschlechtern.

Ein weiteres Ergebnis zeigte, dass schweizerische Befragte einigen spezifischen Aussagen geringfügig stärker zustimmten als deutsche Befragte; einige der stärker unterstützten Aussagen bezogen sich auf biologische Aspekte und den Zweck von Covid-19-Impfstoffen (zum Beispiel «Big Pharma schuf das Coronavirus, um von den Impfstoffen zu profitieren»). Die gefundenen Unterschiede sind, obgleich statistisch bedeutsam, jedoch gering ausgeprägt. Dieser Befund ergänzt bestehende Forschungsergebnisse, die zeigen, dass die Impfakzeptanz in der Schweiz geringer ist als in anderen westeuropäischen Ländern wie Deutschland.

«Da wir nur eine Momentaufnahme zu den Zustimmungswerten im vergangenen Sommer gemacht haben, müssen nun weitere Studien zeigen, ob die Zustimmung stabil geblieben ist oder sich über die Zeit bereits verändert hat», so Zander-Schellenberg.

«Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass nicht jede Person, die einer Verschwörungstheorie zustimmt, automatisch auf ungünstige Art und Weise Informationen verarbeitet und dementsprechend entscheidet», so Erstautorin Sarah Kuhn. Vielmehr zeigten die Resultate, dass es auch in der Gruppe der Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungstheorien verschiedene Subgruppen geben könnte, die sich durch unterschiedliche Denkprozesse charakterisieren lassen.

«Diese Befunde waren für uns überraschend, da in der psychologischen Forschung bisher eher davon ausgegangen wurde, dass Verschwörungstheorien mit Eigenschaften wie einem geringeren analytischen Denkvermögen oder vorschnellem Schlussfolgern einhergehen», so Kuhn. «Dass bei manchen Personen genau das Gegenteil der Fall sein könnte, mahnt einerseits zur Vorsicht bei Pauschalisierungen über die Anhängerschaft von Verschwörungstheorien, andererseits birgt es aus Forschungsperspektive auch das Potenzial, in Zukunft die kognitiven Mechanismen von Verschwörungstheorien noch genauer zu untersuchen.»

Bei der Studie handelt es sich aufgrund des Befragungsansatzes per Definition nicht um eine bevölkerungsrepräsentative Befragung, jedoch setzte sich die Befragtenstichprobe im Hinblick auf Alter und Geschlecht ähnlich zusammen wie die schweizerische und deutsche Allgemeinbevölkerung.

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