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Society & Culture
Der ungarische Volksaufstand. Ereignis und Tradition
Gedenkanlass zum 70. Jahrestag der Ungarischen Revolution 1956 mit György Dalos, Schriftsteller, Übersetzer und Historiker
Ein zerstörter T-34/85-Panzer während des Budapester Aufstandes 1956. (Bild: Wikimedia commons | CC BY-SA 3.0)
Vortrag von György Dalos (Berlin) im Rahmen des Forschungskolloquiums für Osteuropäische Geschichte in Kooperation mit der Stiftung zur Förderung der ungarischen Sprache, Geschichte und Kultur.
Vor siebzig Jahren, am 23. Oktober 1956, begann der ungarische Volksaufstand gegen die stalinistische Diktatur. Ursprünglich handelte es sich um eine friedliche Demonstration von Studierenden Budapester Hochschulen im Zeichen der Solidarität mit der gleichzeitigen polnischen Bewegung. Zur gleichen Zeit entschied sich das Moskauer Politbüro zur Mobilisierung der im Rahmen des Warschauer Vertrags in Ungarn stationierten sowjetischen Streitkräfte zur Unterdrückung der Bewegung – man rechnete mit einem raschen Erfolg wie am 17. Juni 1953 in der DDR.
Die darauffolgenden elf Tage gingen in die Annalen der ungarischen Geschichte als «Revolution» ein, während das mithilfe der Sowjetarmee wiederhergestellte kommunistische Regime die Ereignisse als «Konterrevolution» bezeichnete und ihre Führer und Teilnehmer strafrechtlich verfolgte – mehr als 200 Hinrichtungen fanden statt, Gefängnisse und Internierungslager waren zum Bersten voll. Im November und Dezember 1956 kam es zu einer Massenflucht von 200’000 Ungarn in den Westen, auch in die Schweiz.
Das historische Trauma wirkte noch jahrzehntelang auf die Gesellschaft nach. Gleichzeitig begriff die neue KP-Führung um János Kádár, dass das Land nach 1956 nicht mehr so regiert werden konnte wie zuvor. Soziale Erleichterungen, verbesserte Lebensmittelversorgung und Lockerungen im kulturellen Bereich schufen ab den 1960er Jahren das Phänomen des «Gulaschkommunismus», einer durch Konsum und «kleine Freiheiten» gemilderten, modernisierten Variante der Diktatur.
György Dalos (geb. 1943 in Budapest) ist Schriftsteller, Übersetzer und Historiker. 1984 erhielt er ein Stipendium des Berliner DAAD und war an der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen tätig. 2010 wurde er mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Seine Werke wurden unter anderem ins Englische, Französische, Dänische, Schwedische, Türkische, Portugiesische, Russische und Hebräische übersetzt. Er lebt als freier Autor in Berlin.
Im Anschluss an die Veranstaltung Apéro im Foyer.
Organizer:
Profilbereich Osteuropa; Stiftung zur Förderung der ungarischen...
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