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Universität Basel

08. April 2019

Kulturen im Kontakt – Eine Ausstellung präsentiert 10 Jahre Basler Ausgrabungen in Francavilla Marittima

Fremder Lebensstil und lokale Tradition: Die Funde aus einem reichen Männergrab von Francavilla Marittima, Kalabrien, zeugen von der Übernahme griechischer Trink- und Speisesitten durch die italischen Eliten im 8. Jahrhundert v. Chr. Das grosse Tongefäss diente zum Mischen von Wein und Wasser, der Bronzekessel (rechts) zum Kochen von Fleisch. Die eiserne Axt und die Bronzefibeln weisen den Verstorbenen als Mitglied der einheimischen Oberschicht aus. Foto: © Victor Brigola, Stuttgart.
Fremder Lebensstil und lokale Tradition: Die Funde aus einem reichen Männergrab von Francavilla Marittima, Kalabrien, zeugen von der Übernahme griechischer Trink- und Speisesitten durch die italischen Eliten im 8. Jahrhundert v. Chr. Das grosse Tongefäss diente zum Mischen von Wein und Wasser, der Bronzekessel (rechts) zum Kochen von Fleisch. Die eiserne Axt und die Bronzefibeln weisen den Verstorbenen als Mitglied der einheimischen Oberschicht aus. Foto: © Victor Brigola, Stuttgart.

Mehr als 30 antike Gräber haben Archäologinnen und Archäologen sowie Studierende der Universität Basel im Rahmen einer Lehrgrabung in Süditalien freigelegt. Die Gräber stammen aus einer Zeit, als die ersten Griechen und Orientalen vor rund 3000 Jahren in der Region ankamen, und dokumentieren den Kulturaustausch mit der lokalen Bevölkerung. Die Ergebnisse und Methoden des Forschungsprojekts präsentiert nun eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel, die am 12. April 2019 eröffnet wird.

Bereits in der Antike war der Süden Italiens eine Drehscheibe für Migration. Die eisenzeitliche Siedlung (ca. 800 – 700 v. Chr.) von Francavilla Marittima spielte dabei eine Schlüsselrolle als Kontaktort zwischen Einheimischen und Händlern und Kolonisten aus Griechenland und dem Vorderen Orient.

Seit 2009 erforscht das Basler Projekt die Begräbnisstätte dieses Ortes und hat bislang 33 Gräber von Frauen, Männern und Kindern freigelegt. Grabbeigaben wie Gefässe, Statuetten, Schmuck und Waffen bieten eine Fülle von Informationen zur Lebensweise der lokalen Elite und ihrer Reaktion auf die Ankunft der Migranten.

Produktiver Kulturaustausch

«Wir haben anfangs starke Gegensätze vermutet zwischen den Einheimischen und den Kolonisten», so der Archäologe Prof. Martin Guggisberg, der die Ausgrabung leitet. «Nach 10 Jahren Forschung sehen wir die Beziehung in neuem Licht: Nicht Konfrontation und Gegnerschaft bestimmten das Bild, sondern dynamische Prozesse kultureller Transformation, die ab ca. 700 v. Chr. zur schrittweisen Etablierung einer neuen, griechischen Ordnung führten.»

Hinweise für das Ineinandergreifen von Althergebrachten und Neuem entdeckte das Forschungsteam unter anderem im Grab eines lokalen Machthabers. Unter seinen Beigaben fanden sich allerlei Gefässe und Schalen, die nach Griechenland weisen und die Übernahme neuer Trink- und Kulturpraktiken belegen. Hingegen unterstreicht seine Körperbestattung in Embryoposition ein Festhalten an der einheimischen Tradition.

Eisenschwerter im Gipsmantel geborgen

Von besonderer Bedeutung ist auch der Fund von drei eisernen Schwertern. Sie gehören zu den ältesten Belegen dieser neuen «Waffengattung» in Italien und dokumentieren das Eindringen neuer Kampftechniken aus dem Osten. Da die Schwerter sehr schlecht erhalten waren, hat das Forschungsteam zunächst einen Gipsmantel und dann digitale Analyseverfahren genutzt, um sie zeichnerisch und im 3D-Druck zu rekonstruieren.

Von der Ausgrabung zur Ausstellung

Rund 70 Studierende haben im Laufe der Jahre an der Lehrgrabung in Francavilla Marittima mitgewirkt und dabei den Umgang mit Pickel, Kelle und Pinsel sowie den Gebrauch modernster Vermessungstechnologie und digitaler Dokumentationsmethoden erlernt. Die Ausstellung «Kulturen im Kontakt» haben die Studierenden unter Anleitung des Basler Ausstellungsbüros Atelier Degen+Meili erarbeitet. Entstanden ist ein Parcours, der einerseits die Kulturkontakte sichtbar macht und andererseits die Arbeitsmethoden des Projekts vorstellt.

Prof. Dr. Martin Guggisberg vom Fachbereich Archäologie der Universität Basel führt am 12. April 2019 um 17.30 Uhr in die Ausstellung ein. Weiterhin sprechen Prof. Dr. Thomas Grob, Vizerektor der Universität Basel, Dr. Pietro Maria Paolucci, Italienischer Konsul in Basel, sowie Dr. Franco Bettarini, Bürgermeister von Francavilla Marittima.


Weitere Auskünfte


Bildmaterial

Ein hochaufgelöstes Bild zu dieser Medienmitteilung findet sich in der Mediendatenbank.

Ausgrabung und Ausstellung: Francavilla Marittima

Kulturen im Kontakt – 10 Jahre Basler Ausgrabungen in Francavilla Marittima, Universitätsbibliothek Basel, Schönbeinstrasse 18–20 (1. Stock), Basel. Die Ausstellung läuft bis 9. Juni 2019. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8.00–22.30 Uhr, Samstag 9.00–19.00 Uhr, Eintritt frei. Am 15. Mai 2019, 18.15 Uhr, findet ein Themenabend mit Prof. Martin Guggisberg statt. Öffentliche Führungen: 16. April und 15. Mai 2019, jeweils um 18.15 Uhr.

Das Projekt Francavilla Marittima ist das Ergebnis einer erfolgreichen kulturellen Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Italien. Es hat Unterstützung durch diverse Partnerinstitutionen erfahren, darunter die Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, der Fachbereich Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Basel, das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern, das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Jena, das Museo Nazionale Archeologico della Sibaritide, die Soprintendenza Archeologia, Belle Arti e Paesaggio per le Province di Catanzaro, Cosenza e Crotone, die Gemeinde von Francavilla Marittima sowie das Ministero per i Beni e le Attività Culturali des italienischen Staates. Die Ausgrabungen werden vom Schweizerischen Nationalfonds, der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel, der Max Geldner-Stiftung und der Universität Basel gefördert.

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