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Universität Basel

Auf dem Sprung in die Moderne.

Text: Astrid Frefel

Kairo, die lärmige, emissionsbelastete, chaotische ägyptische 22-Millionen-Metropole, soll in die Moderne katapultiert werden, soll ein «zivilisiertes» Aussehen erhalten.

(Foto: Dana Smillie)
(Foto: Dana Smillie)

Die trostlosen unverputzten, rostbraunen Backsteinfassaden, die das «unzivilisierte» Stadtbild prägen, müssen verschwinden. So will es Präsident Abdelfattah al-Sisi. Deshalb hat er angeordnet, dass alle Häuser einheitlich gestrichen werden müssen. Die Wahl des Farbtons fiel auf ein dunkles Beige.

Doch diese Massnahme ist nicht viel mehr als Kosmetik. Sisis Vision der Moderne nimmt gegenwärtig auf einer gigantischen Baustelle rund 40 Kilometer südöstlich des Stadtzentrums Gestalt an. Dort entsteht die neue Verwaltungshauptstadt. Bis jetzt firmiert sie unter der englischen Abkürzung NAC (New Administrative Capital). Sie ist der Gegenentwurf zum historisch gewachsenen Strassengewirr. Sie soll alles sein, was Kairo bisher nicht ist: sauber, grün, smart und verkehrsarm, bargeldlos und von Kameras überwacht.

Jeder Beamte und jede Beamtin, die es in diese schöne neue Welt schaffen, müssen neben Englisch auch die neusten Technologien beherrschen. Der Präsident hat versprochen, die NAC werde dazu beitragen, den zivilisierten Charakter Ägyptens zu zeigen, und sie bedeute einen Quantensprung in der Entwicklung zum modernen, urbanen Gemeinwesen einer neuen Generation. Träumen ist erlaubt.

Bei einem Augenschein auf der Baustelle kommt der Besucherin als Erstes ein feuerrotes Tuktuk entgegen, eines dieser Dreiräder, die in den letzten Jahren zu Hunderttausenden die Strassen unsicher machen. Und der Müll ist auch nicht verschwunden. Aus Kairo wird wohl nicht so bald ein Dubai am Nil.


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