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Universität Basel

19. Oktober 2020

Neue Plattform macht Namibia-Archiv online zugänglich

Foto von Adelheid Mbuandjou
Die Dammann-Sammlung enthält Foto- und Tonaufnahmen, etwa von Adelheid Mbuandjou. (Bild: Omaruru, 1954. Basler Afrika Bibliographien, BPA_39_2_074)

Die Dammann-Sammlung ist eine der umfangreichsten zu den Sprachen und mündlichen Literaturen Namibias. Um die Sammlung der namibischen Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen, haben Studierende und Dozierende der Universität Basel die Online-Plattform «Namibia 1953–54» entwickelt.

Lieder, Fabeln, Tagebucheinträge und Fotografien: Die Sammlung umfasst über 750 Bilder und Tondokumente. Sie entstand in den 1950er-Jahren während einer Forschungsreise des Afrikanisten und Theologen Ernst Dammann und seiner Frau Ruth. Das deutsche Ehepaar fotografierte zahlreiche namibische Familien, Paare sowie Einzelpersonen und zeichnete ihre Stimmen auf. Die mit einem Magnetophon aufgezeichneten Sprachaufnahmen sind einzigartige Zeugnisse der regionalen Sprachgruppen und des Liederrepertoires Namibias.

Die komplette Dammann-Sammlung befindet sich in den Basler Afrika Bibliographien (BAB) und ist durch einen Online-Katalog erschlossen, der aber keinen intuitiven Zugang zu den Dokumenten bietet. Kommt hinzu: Obwohl sich Kopien der Tonaufnahmen seit Jahren im namibischen Nationalarchiv in Windhoek befinden, haben viele Namibier und Namibierinnen noch nie von der Dammann-Kollektion gehört und wissen nicht, dass darin eventuell Bilder und Tonaufzeichnungen ihrer Familienmitglieder, Freunde und Bekannten zu finden sind.

Das koloniale Archiv öffnen

Studierende und Dozierende am Zentrum für Afrikastudien der Universität Basel haben im Rahmen des Projekts «Visual History Lab» nun die Webseite Namibia 1953–54 erstellt, die der namibischen Öffentlichkeit ermöglicht, auf einfache Weise auf das Dammann-Archiv zuzugreifen. Konkret können Nutzer und Nutzerinnen mit wenigen Klicks von den BAB elektronische Kopien von Bildern und Tonaufnahmen ihrer Verwandten und Bekannten anfordern.

In Zusammenarbeit mit den BAB und der Museums Association of Namibia trug die Forschungsgruppe eine aktualisierte Liste aller Personen zusammen, die von den Dammanns fotografiert oder aufgenommen worden waren. Sie nahm direkten Kontakt zu Verwandten der Namibier und Namibierinnen auf. In Rücksprache mit ihnen entstanden auf der Plattform sogenannte «Profiles», in denen die Forschenden Informationen, Notizen, Bilder und Tonaufnahmen zu den einzelnen Personen bündelten, um exemplarisch das Potenzial der Sammlung aufzuzeigen.

Die Fotografien und Tonaufnahmen entstanden zu einer Zeit, in welcher die afrikanische, nicht-weisse Bevölkerung in Namibia systematisch benachteiligt und ihrer Freiheit beraubt wurde. Als deutscher Afrika- und Religionswissenschaftler, der engen Kontakt zu den namibischen Missionen pflegte, bewegte sich Ernst Dammann in genau diesen Strukturen. Für das Team des «Visual History Labs» war aus diesem Grund wichtig, die Forschungspraxen und kolonialen Haltungen der Dammanns kritisch zu hinterfragen und sich auf das Leben und die Perspektiven der Personen auf den Bild- und Tonaufnahmen zu fokussieren.

Eine weitere Herausforderung ergab sich für die Basler Forschungsgruppe, als sie während ihrer Arbeit auf Diskrepanzen zwischen den Angaben der Dammanns und den tatsächlichen Inhalten in und auf den Aufnahmen stiess. Auf der Plattform kann die namibische Öffentlichkeit deshalb selbst Kommentare und Korrekturen teilen.

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