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Universität Basel

Wie sieht die Zukunft des Geldes aus, Axel Paul?

Text: Axel Paul

Im Zeichen der Digitalisierung verändert sich die Geldwirtschaft derzeit rasant. Bargeld, wie wir es kennen, wird verschwinden. Doch was sind die Folgen davon?

Axel Paul ist Professor für Allgemeine Soziologie im Fachbereich Soziologie der Universität Basel. Er studierte daneben Geschichte, Philosophie und Publizistik in Göttingen und Freiburg/Br. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte, Kultur und Theorie von Herrschaft und Macht sowie von Wirtschaft und Geld. Paul ist Autor von «Theorie des Geldes» (2017).
Axel Paul ist Professor für Allgemeine Soziologie im Fachbereich Soziologie der Universität Basel. Er studierte daneben Geschichte, Philosophie und Publizistik in Göttingen und Freiburg/Br. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte, Kultur und Theorie von Herrschaft und Macht sowie von Wirtschaft und Geld. Paul ist Autor von «Theorie des Geldes» (2017).

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, heisst es. Doch drei Trends scheinen mir unabweisbar: Erstens wird das Bargeld verschwinden. An seine Stelle wird die Zahlung mit auf unseren Smartphones installierten Apps treten. Eine treibende Kraft dieses Wandels ist unsere Bequemlichkeit, die uns dazu verleitet, selbst wenig aufwendige Handlungen wie das Hantieren mit Barem in unsere Handys zu verlegen. Eine andere das wirtschaftliche Interesse der IT- und Finanzbranche, aus dem Bezahlen selbst ein Geschäft zu machen, seine Abwicklung zu kontrollieren, dafür Gebühren zu erheben und die so gewonnenen Daten zu vermarkten.

Man mag das Verschwinden des Bargelds nur für einen weiteren Formwandel des Gelds halten, von denen es in der Geschichte schon viele gegeben hat, etwa den von Münzen zu Scheinen. Damit verbunden aber ist der Verlust der für den Marktverkehr der bürgerlichen Gesellschaft wesentlichen Anonymität der Akteure. Wer Bargeld benutzt, hinterlässt keine Spuren. Wer elektronisch zahlt, zahlt hingegen mit seinem Namen. Viele wird dies nicht stören. Was jedoch mit dem Bargeld verschwindet, ist die Freiheit des Einzelnen, nur Käufer zu sein, und letztlich sogar der Anspruch darauf, als Marktsubjekt gleich behandelt zu werden.

Ein zweiter Trend ist das Aufblühen von Komplementärwährungen. Diese sind nicht grundsätzlich neu, sondern haben eine zum Teil lange Geschichte. Komplementärwährungen sind es, weil es den Initiatoren und Nutzern dieser Alternativgelder um eine Ergänzung eines als fehlerhaft empfundenen Währungssystems geht. Als problematisch gelten ihnen die Abhängigkeit von überregionalen Märkten und die zu hohen Zinsen (oder gar Zinsen überhaupt). Der Defekt, dass reguläres Geld als Marktzutrittsschranke wirkt, soll dadurch behoben werden, dass Menschen verabreden, meist Güter des alltäglichen Gebrauchs und einfachere Tätigkeiten für ein nur lokal oder regional gültiges Tauschmittel anzubieten.

Zum einen beobachten wir nicht bloss eine Vervielfältigung des Währungsangebots, sondern auch eine Ausdifferenzierung von Spezialgeldern für bestimmte Aufgaben. Denn die Lokal- oder Komplementärwährungen dienen nur als Tauschmittel, nicht als Werteinheit oder -anlage. Doch auch für diese Geldfunktion gibt es längst Alternativen. Der Bitcoin ist nur eine von ihnen. Zum anderen sind auch die Komplementärgelder Ausdruck einer Repersonalisierung des wirtschaftlichen Geschehens, zwar nicht des Geldes selbst, wohl aber des Bestrebens nach einer Verankerung allzu anonymer Marktvorgänge in der vertrauten Lebenswelt.

Drittens gerät unsere Geldordnung selbst in die Kritik. Einerseits macht sich eine Koalition aus Libertären, Hackern und Start-ups anheischig, das staatliche Währungsmonopol durch die Erfindung und Verbreitung von Kryptowährungen zu untergraben. Versprochen wird uns ein nicht nur der staatlichen Aufsicht, sondern ebenso den Manipulationsversuchen der Politik entzogenes Geld. Anderseits wird moniert, dass unser Währungssystem dem privaten Missbrauch seit langem offensteht. In der Tat sind es die privaten Geschäfts- und nicht die Zentralbanken, die über das Ausmass der Geldschöpfung und damit die Verteilung von Reichtum entscheiden.

Im Euroraum trägt die Politik der Europäischen Zentralbank, die zwar den Euro gerettet, anderseits aber ihr Mandat überzogen hat und weiter überzieht, das Ihrige dazu bei, aus dem Geld einen politischen Zankapfel zu machen. Der Geldpolitik stehen deswegen unruhige Zeiten bevor. Wir werden lernen müssen, in mehr als einer Währung zu denken.


Weitere Artikel in der aktuellen Ausgabe von UNI NOVA.

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