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Universität Basel

13. August 2019

Augenkrankheit: Bildgebung kann Verlauf der Stargardt-Erkrankung bestimmen

Der Morbus Stargardt ist eine erbliche Augenkrankheit, die zu Sehstörungen und Sehverlust führt. Eine Studie zeigt nun, dass sich Autofluoreszenzaufnahmen eignen können, um zu beurteilen, ob neuartige Behandlungen die Erblindung wirksam verlangsamen. Die Studie, an der die Universität Basel und das Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel beteiligt sind, ist in der Fachzeitschrift «JAMA Ophthalmology» erschienen.

Die Stargardt-Krankheit ist die häufigste Form der Makuladegeneration im Jugendalter, bei denen das Zentrum der Netzhaut, die Makula, betroffen ist. Sie führt zu fortschreitendem Verlust der zentralen Sehschärfe: Was man scharf sehen will, verschwimmt, wird verzogen oder verschwindet ganz. Die Krankheit ist erblich bedingt und wird durch genetische Mutationen verursacht. Diese führen dazu, dass die Pigmentepithelzellen, welche die lichtsensitiven Photorezeptoren in der Makula umgeben, deren Stoffwechselprodukte nicht abbauen. Diese lagern sich ab, was das Gewebe im Pigmentepithel und die Photorezeptoren absterben lässt.

Die Stargardt-Erkrankung führt zu einem zentralen Sichtverlust, der in der Makula, dem Ort des schärfsten Sehens, beginnt. (Bild: IOB)
Die Stargardt-Erkrankung führt zu einem zentralen Sichtverlust, der in der Makula, dem Ort des schärfsten Sehens, beginnt. (Bild: IOB)

Indikator des Krankheitsverlaufs

Der Morbus Stargardt ist bis heute unheilbar geblieben. Umso wichtiger ist es deshalb, empfindliche Untersuchungsmethoden zu entwickeln, um den Krankheitsverlauf messen zu können. Damit wird sich auch die Wirksamkeit von neuartigen therapeutischen Ansätze zuverlässig beurteilen lassen, die den Krankheitsverlauf verlangsamen sollen.

«Wir haben uns gefragt, ob das Grössenwachstum der Gewebsverletzungen in klinischen Studien als Messwert für ein fortschreitendes Erblinden dienen kann», erklärt Hendrik Scholl, Professor für Ophthalmologie an der Universität Basel und Co-Direktor des Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel IOB. Gleichzeitig leitet er die ProgStar Study Group, einen internationalen Verbund von Forschenden, die auf ein besseres Verständnis des Morbus Stargardt hinarbeiten und damit die Grundlage für Studien zur Behandlung von Patienten schaffen.

Für ihre neue Studie verwendeten die Forschenden Autofluoreszenzaufnahmen des Augenhintergrunds, um zu messen, wie sich die Grösse des Areals mit abgestorbenem Gewebe innerhalb von 12 Monaten verändert. Die internationale Studie wurde an neun Zentren in den USA und Europa durchgeführt und umfasste 259 Patienten ab sechs Jahren, die an der Stargardt-Krankheit leiden und Veränderungen im ABCA4-Gen tragen.

Die Forschungsgruppe konnte zeigen, die Messung der Makula-Läsionen mittels Autofluoreszenzaufnahmen verlässliche Vorhersagen zum Krankheitsverlauf ermöglichen. Dieses Instrument erweist sich damit als vielversprechende Ergebnismessung in klinischen Studien, die darauf abzielen, die Krankheit und damit den Sehverlust zu verlangsamen.

«Fragliche» Gewebeschäden

Zusätzlich zu der Messung «unzweifelhafter» Schädigungen erfolgte in der ProgStar-Studie auch die Beurteilung von sogenannt «fraglichen» Gewebeschäden mittels Autofluoreszenz,. «Das ist besonders wichtig für die Patienten: Denn fragliche Schäden, die sogenannten QDAF-Läsionen, können in frühen Krankheitsstadien auftreten, in denen wir die Sehfähigkeit eventuell noch mit Heilmitteln oder mit einer Gen-Augmentationstherapie retten könnten», so Hendrik Scholl.

Originalbeitrag

Rupert W. Strauss, Xiangrong Kong, Alexander Ho, Anamika Jha, Sheila West, Michael Ip, Paul S. Bernstein, David G. Birch, Artur V. Cideciyan, Michel Michaelides, José-Alain Sahel, Janet S. Sunness, Elias I. Traboulsi, Eberhart Zrenner, Sean Pitetta, Dennis Jenkins, Amir Hossein Hariri, SriniVas Sadda, Hendrik P. N. Scholl, for the ProgStar Study Group
Progression of Stargardt Disease as Determined by Fundus Autofluorescence Over a 12-Month Period
JAMA Ophthalmology (2019), doi: 10.1001/jamaophthalmol.2019.2885

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