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Universität Basel

16. März 2020

Ibuprofen und Covid-19

Visualisierung des Covid-19-Virus. (Bild: Fusion Medical Animation/Unsplash)
Visualisierung des Covid-19-Virus. (Bild: Fusion Medical Animation/Unsplash)

Zurzeit wird die Frage diskutiert, ob die Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen den Verlauf der Covid-19-Erkrankung negativ beeinflusst. Eine Publikation von Basler Forschenden hält fest: Für einen negativen Effekt gibt es einzelne Hinweise, zurzeit aber keine eindeutigen Beweise. Zur Untersuchung dieser Hypothese ist weitere Forschung erforderlich.

Am 11. März 2020 veröffentlichten Forscher in der Fachzeitschrift «The Lancet Respiratory Medicine» einen Bericht zur Frage, ob Patienten mit Bluthochdruck und Diabetes ein erhöhtes Risiko haben, an der Coronavirusinfektion Covid-19 zu erkranken.

Zur Beurteilung dieser Frage konnten sie auf drei chinesische Beobachtungsstudien zurückgreifen, die bereits Patientendaten aus China analysiert hatten. Diese lassen vermuten, dass bei Covid-19-Patienten mit einem schweren oder tödlichen Verlauf Bluthochdruck, Diabetes oder kardiovaskulären Erkrankungen häufiger vorkommen als bei Patienten mit mildem Verlauf. Mittlerweile gibt es weitere Studien aus China und Italien, die diese Vermutung stützen.

Die Basler Forschenden haben daraufhin die Hypothese aufgeworfen, dass dies eventuell auf Medikamente zurückzuführen sei, die bei Bluthochdruck, Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen eingesetzt werden. Im Verdacht stehen dabei vor allem sogenannte ACE-Hemmer, die sich gegen das Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2) richten.

Information für Forschende, nicht für Patienten

Die ausdrücklich als Hypothese formulierte Vermutung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Ziel, die Hypothese auf Basis zusätzlicher Patientendaten weiter zu untersuchen.

«Es handelt sich nicht um eine Empfehlung, bestimmte Medikamente zu verwenden oder nicht. Patienten sollten sich unbedingt an die Anweisungen ihres Arztes oder ihrer Ärztin halten», so Studienautor Prof. Dr. Michael Roth, Forschungsgruppenleiter am Departement Biomedizin der Universität und des Universitätsspitals Basel.

Das Enzym ACE2 ist ein an sich sehr wertvolles Protein, das die Geweberegeneration fördert. Frühere Studien haben gezeigt, dass ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker zu einer verstärkten Bildung von ACE2 führen. Unglücklicherweise bindet der Coronavirus SARS-CoV-2 an dieses Protein und verwendet es, um in die Zellen einzudringen, wo sie sich vermehren. Ähnliche Zusammenhänge seien auch nach der SARS-Pandemie von 2002–2003 beschrieben worden, so Prof. Michael Roth.

Tatsächlich werden Patienten mit Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes teilweise mit Medikamenten behandelt, welche die Menge an ACE2 erhöhen. «Deshalb schlagen wir vor, dass die Anwendung dieser Medikamente bei Covid-19-Patienten weiter untersucht werden sollte», so Prof. Michael Roth.

Originalbeitrag

Lei Fang, George Karakiulakis, Michael Roth
Are patients with hypertension and diabetes mellitus at increased risk for COVID-19 infection?
The Lancet Respiratory Medicine (2020), doi: 10.1016/S2213-2600(20)30116-8


Weitere Auskünfte

Prof. Dr. Michael Roth-Chiarello, Universität Basel/Universitätsspital Basel, Departement Biomedizin, Tel. +41 61 265 23 37, E-Mail: michael.roth@usb.ch

Redigierte Version: Der obenstehende Text wurde am 17. März infolge einer aktualisierten Einschätzung überarbeitet.

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