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Universität Basel

23. März 2018

Erstmals Therapieeffekt bei sekundär progredienter Multipler Sklerose

(Bild: Gareth Blackett/Alamy Stock Foto)
Ergotherapie bei Patienten mit Multipler Sklerose. (Bild: Gareth Blackett/Alamy Stock Foto)

Für die sekundär progrediente Multiple Sklerose gibt es bis jetzt keine nachgewiesen wirksame Therapie. Nun zeigt eine Phase-III-Studie erstmals eine mögliche Behandlungsoption auf. Die Studie konnte nachweisen, dass das Medikament Siponimod geeignet ist, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Die Studie, bei der Forscher von Universität und Universitätsspital Basel federführend waren, wurde in der Fachzeitschrift «The Lancet» publiziert.

In den vergangenen Jahren konnten in der Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) bedeutsame Fortschritte erzielt werden. MS ist eine chronische und entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene befällt. Menschen mit einem schubförmigen MS-Verlauf haben, wenn sie rasch nach den ersten Anzeichen der Krankheit diagnostiziert und konsequent mit den heute verfügbaren Medikamenten behandelt werden, sehr gute Aussichten auf ein weiteres Leben ohne oder mit nur geringen Beeinträchtigungen.

Eine Ausnahme ist die sekundär progrediente Phase der MS, die bei der Mehrheit der MS-Betroffenen nach durchschnittlich 15 bis 20 Jahren Krankheitsverlauf auftritt. Bei Menschen mit sekundär progredienter MS schreitet die Behinderung (mit wenigen oder gar keinen Schüben) kontinuierlich fort, und es existiert bisher keine Behandlung, welche eine Zunahme der Behinderung erwiesenermassen aufhalten kann.

Nun aber konnte für die Behandlung dieser MS-Ausprägung erstmals die Wirksamkeit eines Medikaments nachgewiesen werden. Dies geht aus einer klinischen Phase-III-Studie hervor, die federführend am Universitätsspital Basel (USB) gestaltet und in der Fachzeitschrift «The Lancet» publiziert wurde. Die Studie zeigt, dass das Medikament Siponimod wirksam ist, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Siponimod gehört zur Gruppe der S1P-Modulatoren und wird als Tablette verabreicht.

Zunahme der Behinderung tritt weniger häufig auf

Die kontrollierte Therapiestudie wurde von Novartis finanziert und schloss in 31 Ländern 1645 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener sekundär progredienter MS ein. Es handelt sich um die erste grosse klinische Studie überhaupt, welche die Wirkung eines Medikaments auf die Zunahme der Behinderung bei MS-Betroffenen in der sekundär progredienten Phase der MS untersucht hat.

Das internationale Forschungsteam unter der Leitung von Ludwig Kappos, Professor an der Universität Basel und Chefarzt Neurologische Klinik und Poliklinik am USB, verglich die Wirksamkeit von Siponimod mit einem äusserlich nicht unterscheidbaren Scheinmedikament.

Es zeigte sich, dass nach einer mittleren Behandlungsdauer von 18 Monaten mit Siponimod behandelte Patienten im Vergleich zu Placebo zwischen 21 und 26 Prozent weniger häufig eine bestätigte Behinderungsprogression erlitten. Auch die in der Magnetresonanztomografie gemessene Zahl der Krankheitsherde sowie die Abnahme des Hirnvolumens waren unter Siponimod signifikant geringer.

Insgesamt war das Medikament gut verträglich und zeigte ähnliche Nebenwirkungen wie ein anderer, bereits für die Behandlung der schubförmig verlaufenden MS zugelassener S1P-Modulator (Fingolimod).

Besonders bemerkenswert ist am Studienergebnis, dass die Mehrheit der Behandelten bereits länger an MS erkrankt (im Durchschnitt 16 bis 17 Jahre) und schon bei Beginn der Behandlung deutlich behindert war. So war mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten bereits zu Beginn der Studie nicht in der Lage, ohne Hilfe zu gehen.

Originalbeitrag

Ludwig Kappos, Amit Bar-Or, Bruce A C Cree, Robert J Fox, Gavin Giovannoni, Ralf Gold, Patrick Vermersch, Douglas L Arnold, Sophie Arnould, Tatiana Scherz, Christian Wolf, Erik Wallström, Frank Dahlke, for the EXPAND Clinical Investigators 
Siponimod versus placebo in secondary progressive multiple sclerosis (EXPAND): a double-blind, randomised, phase 3 study
The Lancet (2018), doi: 10.1016/S0140-6736(18)30475-6

Thematischer Schwerpunkt
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