Universität Basel übernimmt Co-Leitung im neuen Nationalen Forschungsschwerpunkt «Precision»
Ein neuer Nationaler Forschungsschwerpunkt (NFS) widmet sich der Spitzenforschung im Bereich hochpräziser Messungen. Die Universität Basel wird als Co-Leitung eine zentrale Rolle im NFS «Precision» übernehmen.
30. Januar 2026
Der Bund hat heute die Lancierung von sechs neuen NFS bekannt gegeben. Einer davon ist der NFS «Precision», der von der ETH Zürich und der Universität Basel als Heiminstitutionen geleitet wird. Die Zusammenarbeit führender Forschungsgruppen verspricht, neue Massstäbe in der optischen Präzisionsmessung und Sensorik zu setzen und damit den Zugang zu neuen physikalischen Entdeckungen zu eröffnen.
Für die erste Förderphase von 2026 bis 2029 stellt der Bund dem NFS rund 17 Millionen Franken zur Verfügung. Einschliesslich der Eigenmittel der beteiligten Hochschulen beläuft sich das Gesamtbudget auf rund 36 Millionen Franken. Die maximale Laufzeit eines NFS beträgt zwölf Jahre.
«Viele Anwendungen in Forschung und Industrie benötigen heute eine Genauigkeit, die mit den bestehenden Messstandards nicht mehr erreicht werden kann», sagt Prof. Stefan Willitsch, Professor für Chemische Physik in Basel und Co-Direktor des neuen NFS.
Hier setzt der neue Forschungsschwerpunkt an: «Wir möchten neue Methoden und Instrumente entwickeln, mit denen wir extrem präzise Messungen an unterschiedlichen physikalischen Systemen in der ganzen Schweiz durchführen und diese über ein landesweites, frequenzstabilisiertes Glasfasernetzwerk direkt miteinander vergleichen», so Willitsch.
Präzisionsmessungen im Umbruch
Präzisionsmessungen bilden das Fundament der exakten Wissenschaften und haben eine direkte Relevanz für Gesellschaft und Industrie – etwa für Zeitreferenzen, Kalibrierungen und hochgenaue Sensorik. In den vergangenen Jahren haben insbesondere Fortschritte in der Quanten- und photonischen Technologie den Weg für neuartige Verfahren geebnet, die eine beispiellose Messempfindlichkeit und -genauigkeit versprechen.
Die Messtechnologie befindet sich damit mitten in einem disruptiven Umbruch, den der NFS PRECISION aktiv mitgestalten will. Das Forschungsnetzwerk vereint schweizweit 32 Forschungsgruppen, davon acht an der Universität Basel.
Von der bislang unerreichten Messpräzision erwarten die Forschenden einen besonderen Erkenntnisgewinn: «Mit der hochpräzisen optischen Spektroskopie von Atomen, Molekülen und Festkörpersystemen eröffnen sich neue Wege, fundamentale Physik jenseits des Standardmodells zu erforschen», erläutert Prof. Philipp Treutlein, stellvertretender NFS-Co-Direktor und Professor für Experimentelle Quantenphysik in Basel.
Im Rahmen des NFS Precision soll an der Universität Basel in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS in Bern auch eine optische Atomuhr entstehen, die einen extrem genauen Frequenzvergleich mit den verschiedensten physikalischen Systemen ermöglicht. «Präzision ist quasi in der DNA der Schweiz, und in Basel werden wir eine Uhr bauen, die die genaueste der Schweiz werden wird», so Treutlein. Diese Uhr soll dann am METAS langfristig betrieben werden.
Universität Basel als zweite Heiminstitution
«Im Bereich der Spektroskopie, Präzisionsmessungen und quantenbasierten Messprotokollen verfügt die Universität Basel über sehr viel Expertise – in Physik ebenso wie in der Chemie», sagt Prof. Primo Schär, Vizerektor Forschung der Universität Basel. «Unsere Forschungsgruppen, die sich auf atomare, molekulare und optische Quantentechnologien spezialisiert haben, sind international hervorragend positioniert.»
Zugleich entwickle sich in der Region Basel derzeit ein dynamisches Quanten-Ökosystem, das Impulse aus der Forschung unmittelbar aufgreife und in Innovationen im Hightech-Bereich umsetze, so Schär weiter. «Die Rolle als zweite Heiminstitution des NFS ‹Precision› ermöglicht es uns, unsere Position als führender Standort für Forschung an der Schnittstelle von Physik, Chemie, Quantentechnologie und Präzisionssensorik weiter zu stärken.»
Langfristige Förderung und starke Vernetzung
Nationale Forschungsschwerpunkte NFS sind ein langfristiges Förderinstrument des Bundes. Sie schaffen die Voraussetzungen, damit Forschende in der Schweiz neue Forschungsfelder aufbauen, nachhaltige Strukturen für Forschung und Lehre etablieren und sich national wie international vernetzen können. Die Forschungsnetzwerke werden jeweils von einer oder zwei Heiminstitutionen getragen, die substanzielle Eigenmittel beisteuern.
Die Universität Basel ist derzeit Heiminstitution im NFS «Antiresist» (Antibiotikaforschung), im NFS «Spin» (Quantentechnologie) und im NFS «Molecular Systems Engineering», der nach Abschluss seiner dritten Förderphase in diesem Jahr endet.
Weitere Auskünfte
Reto Caluori, Universität Basel, Kommunikation & Marketing, Tel. +41 61 207 24 95, E-Mail: kommunikation@unibas.ch