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Freiraum für die «Changemaker» von morgen

Gruppenfoto von diversen jungen Erwachsenen und einigen älteren Personen in einem hellen Raum. Im Hintergrund ist eine Präsentationsfolie mit den Logos der Universität Basel und des Innovation Office sowie dem Titel "Empower Economy" zu sehen.
Junge «Changemakers» entwickeln an der Universität Basel innovative Lösungen für eine nachhaltige und zirkuläre Wirtschaft. (Foto: zvg)

Das Innovation Office der Universität Basel unterstützt Studierende und Forschende dabei, ihre Unternehmensideen umzusetzen. Der Fokus liegt dabei zunehmend auf den Bereichen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Bei einem Start-up-Wochenende und einem Kurs für angehende «Changemaker» konnten Studierende kreative Lösungen und Geschäftsideen für die Kreislaufwirtschaft entwickeln.

29. Januar 2026 | Samuel Schlaefli

Gruppenfoto von diversen jungen Erwachsenen und einigen älteren Personen in einem hellen Raum. Im Hintergrund ist eine Präsentationsfolie mit den Logos der Universität Basel und des Innovation Office sowie dem Titel "Empower Economy" zu sehen.
Junge «Changemakers» entwickeln an der Universität Basel innovative Lösungen für eine nachhaltige und zirkuläre Wirtschaft. (Foto: zvg)

In der «Innovation Garage» beim Life Science-Park in Allschwil atmet man den Geist des Silicon Valley: In zwei grosszügigen Räumen mit Sichtbetonböden stehen farbige Sofas, von den Decken hängen Pflanzen. Es gibt verschliessbare Kabinen für E-Meetings, verschiebbare Tische und Beamer für Präsentationen. Die Wände sind mit Post-its behangen und eine Siebträger-Kaffeemaschine in glänzendem Chromstahl lädt beim Eingang zum informellen Austausch ein.

Die «Garage» ist weit mehr als das offizielle Büro des Innovation Office der Universität Basel. Hier finden Studierende und Forschende, die ihr erstes Unternehmen gründen möchten, Raum für Meetings und Präsentationen – sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. Wer registriert ist, hat jederzeit Zugang und erhält zusätzlich eine erste Postadresse für sein frisch gegründetes Unternehmen. Während den Bürozeiten unterstützt das Team des Innovation Office.

Kreisläufe früh mitdenken

«Unsere Hauptaufgabe ist es, Start-ups von Anfang an auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen zu begleiten», sagt Sophie Schumacher, Programmmanagerin im Bereich Nachhaltigkeit/FoodHealth beim Innovation Office. «Fragen der Nachhaltigkeit sind ein wichtiger Bestandteil dieses Wegs.» Schumacher hat Geowissenschaft an der Universität Basel und Agrarökologie an der Universität Wageningen studiert und ist seit 2021 beim Innovation Office tätig.

Gemeinsam mit dem Team vor Ort hat sie Ende 2024 den Kurs «Changemakers in Circular Economy and Sustainability» initiiert. Im Zentrum steht die Förderung von Kreativität und Mut für nachhaltige Geschäftsideen. Während des dreimonatigen Kurses lernen Studierende, gesellschaftliche Veränderungen gezielt voranzutreiben.

«Mit diesem Kurs schaffen wir ein Angebot, bei dem die Kreislaufwirtschaft von Anfang an als Priorität mitgedacht wird», sagt Carolina Rovira Schmitt. Sie unterstützt das Team seit Februar 2025 als Innovationsmanagerin und betreut seither den Kurs und die Thematik Kreislaufwirtschaft. Zuvor hat sie Volkswirtschaft in Graz studiert, bei einem Start-up in Berlin gearbeitet und steht kurz vor dem Abschluss ihres Masters in «Innovation, Human Development and Sustainability» an der Universität Genf.

Der Kurs für Unternehmertum in den Bereichen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft wurde gemeinsam mit den Professoren Frank C. Krysiak und Pascal Gantenbein von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel konzipiert und durchgeführt. Ermöglicht wird er durch «BaselCircular», eine Public-Private-Partnership zwischen dem Kanton Basel-Stadt und der Eckenstein-Geigy-Stiftung, die das Ziel verfolgt, ein Innovationsökosystem für die Kreislaufwirtschaft aufzubauen.

Zirkuläre Mode und weniger Leerfahrten

Für den ersten Kurs im Frühlingssemester 2025 hatten sich 40 Studierende aus allen möglichen Fachbereichen beworben, 28 von ihnen wurden ausgewählt. Zum Auftakt nahmen im März 2025 alle an einem Start-up-Weekend teil. Innerhalb von 54 Stunden entwickelten die Teilnehmenden – darunter auch Studierende ausserhalb des Kurses – zehn Geschäftsideen mit einem zirkulären Ansatz. Sechs dieser Ideen wurden dann im Kurs vertiefend weiterbearbeitet.

Dazu gehören eine KI-gestützte Plattform, die Ineffizienzen im europäischen Lastwagenverkehr und Leerfahrten reduzieren soll, eine Coaching-App, die Wohlbefinden und nachhaltiges Verhalten verbindet, sowie algenbasierte Kapseln mit natürlich abbaubarer Sonnencrème, die die Meeresökosysteme nicht belastet. Manche Ideen, wie Loopli, eine Online-Plattform für zirkuläre Mode, wurden ausserhalb des Kurses weiterentwickelt. Die Plattform hilft heute Nutzenden, Secondhand-Mode und nachhaltig hergestellte Kleidung sowie lokale Reparatur- und Upcycling-Dienstleistungen zu finden.

Ausgehend vom Start-up-Weekend entwickelten die Kursteilnehmenden ihre Ideen im Verlauf des Kurses weiter. Dabei wurden sie vom Organisationsteam gecoacht und in sechs weiteren Sessions mit externen Fachpersonen mit wichtigen Nachhaltigkeits- und Innovationskonzepten vertraut gemacht. Zum Abschluss präsentierten die «Changemaker» ihre Projekte einer Jury und erhielten ein Feedback.

Ökosystemisches Denken für grosse Herausforderungen

Schumacher und Rovira Schmitt sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis des ersten Kurses. 74 Prozent der Teilnehmenden bewerteten ihn mit den Höchstnoten 5 und 6. In Zukunft soll er mindestens einmal pro Jahr stattfinden, wobei die Bewerbungsfrist für die zweite Ausgabe im Frühjahrssemester 2026 derzeit läuft.

«Mit dem Innovation Office wollen wir neue Denkweisen für die grossen Herausforderungen unserer Zeit fördern», sagt Schumacher. «Dafür braucht es ein ökosystemisches Denken, bei dem Innovation als Teil von grösseren gesellschaftlichen Transformationen gedacht wird.» Deshalb umfasst der Kurs sowohl die Förderung von Soft Skills, als auch die Schulung in den «Inner Development Goals» (IDGs). Diese zielen auf die persönliche Entwicklung in Hinblick auf eine nachhaltigere Zukunft ab.

Zusätzlich reflektieren die Studierenden ihre Entwicklung in einem Lerntagebuch und fassen ihr Businesskonzept in einem Abschlussbericht zusammen. Noten gibt es dafür keine. Aus gutem Grund, findet Rovira Schmitt: «Der Kurs ist eine individuelle ‹learning journey›. Diese Reise verläuft bei allen unterschiedlich, weshalb sie nicht bewertet werden sollte.» Besonders freut Rovira Schmitt, dass viele Teilnehmende auch nach Kursende engagiert bleiben und sich weiterhin als Multiplikatoren für Innovation, Unternehmertum und Nachhaltigkeit einsetzen.

Changemakers in Circular Economy and Sustainability

Im Frühlingssemester 2026 wird der Kurs «Changemakers in Circular Economy and Sustainability» zum zweiten Mal durchgeführt. Er richtet sich an Bachelor- und Masterstudierende der Universität Basel und wird mit drei ECTS-Punkten vergütet. Bewerbungen sind noch bis zum 17. Februar möglich. Weitere Informationen zum Kurs und zur Bewerbung sind auf der Webseite des Innovation Office zu finden.

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