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Universität Basel

«Sprachen der Kunst»: Nelson Goodmans Symboltheorie Text: Markus Klammer

Mein Buch: Der Kunstwissenschaftler Markus Klammer empfiehlt «Sprachen der Kunst» des amerikanischen Philosophen Nelson Goodman.

Prof. Markus Klammer. (Bild: Universität Basel, Andreas Zimmermann)
Prof. Markus Klammer. (Bild: Universität Basel, Andreas Zimmermann)

Ein Buch, das mich in den letzten Jahren begleitet hat, ist die «Sprachen der Kunst» (1968) des Philosophen Nelson Goodman. Er studierte in Harvard, betrieb neben seinem Doktorat eine Kunstgalerie in Boston und unterrichtete ab 1968 selbst an der Harvard University. Sein Denken ist geprägt von Carnap, Quine und Wittgenstein.

Das Buch entfaltet eine allgemeine Symboltheorie der Künste. «Symbole» werden dabei nicht in romantisch-idealistischer Tradition als sinnliche Manifestationen eines Absoluten verstanden, sondern als Gegenstände, die auf andere Bezug nehmen. Goodman unterscheidet bildliche und sprachliche Symbole, deren Eigenschaften und Relationen zu den durch sie bezeichneten Dingen er untersucht. In Fragen der Bildtheorie und des Verhältnisses von Bildern zur Sprache und zur Welt ist das Buch für mich eine stete Quelle des Nachdenkens und der intellektuellen Unruhe.

Was wir als «Welt» wahrnehmen, ist Goodman zufolge keine unmittelbare Realität, sondern wird von unserem – historisch, sozial, kulturell determinierten – Gebrauch sprachlicher und bildlicher Symbole konstituiert. Unsere Weltwahrnehmung ist immer schon am Gängelband unseres Symbolgebrauchs geführt. Besonders geprägt hat mich die Einsicht, dass es zwei auf den ersten Blick wenig verwandte Felder gibt, die den scheinbar natürlichen Zusammenhang von Symbolen und Dingen systematisch unterlaufen: die Wissenschaften und die Künste.

Beiden ist ein genuin «ästhetischer» Umgang mit Symbolen eigen, indem sie diese probeweise auf Phänomenbereiche übertragen, für die sie eigentlich nicht gedacht waren. Das bedeutet, dass in den Wissenschaften und Künsten ständig spielerisch Metaphern gebildet werden, die bestimmte Aspekte unbekannter Phänomene hervorheben, gewissermassen «stilisieren», und so das Neue im Gewussten verankern, es sehbar und kommunizierbar machen. Dass wissenschaftliches und ästhetisches Lernen und Erkennen eng verflochten sind, dass beide nicht nur «metaphernpflichtig» sind, sondern unmittelbar mit der produktiven Dimension von Metaphern zusammenhängen, ist eine der Lehren, die ich dem Buch verdanke.

Markus Klammer ist Kunstwissenschaftler und Schaulager-Professor für Kunsttheorie an der Universität Basel. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kunsttheorie und Ästhetik, Epistemologie der Psychoanalyse, Theorien der Bilder, französische Philosophie des 20. Jahrhunderts und der Situationismus.

Weitere Artikel in der aktuellen Ausgabe von UNI NOVA.

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