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Universität Basel

«Die Natur ist der Inbegriff eines nachhaltigen Systems»

Die Moleküle des Lebens faszinieren Florian Seebeck. «Meine Arbeit ermöglicht mir einen Blick ins Chemielabor der Natur», sagt der knapp vierzigjährige Basler Professor. «Dort findet sich eine wahre Wundertüte.»

Florian Seebeck
Seebeck versucht als Professor für «Molecular Bionics», die Funktion bestimmter Gene zu verstehen, um sie besser nutzbar zu machen. © Universität Basel

Holz könnte zum neuen Plastik werden

In dieser Vielfalt der Natur – genauer gesagt im Erbgut von Bakterien und Pilzen – sucht Seebeck nach Anwendungsmöglichkeiten. Heute ist die DNA unzähliger Organismen entschlüsselt, die Daten dazu sind öffentlich zugänglich. Während herkömmlich arbeitende Bioniker etwa Vogelflügel studieren, um bessere Flugzeuge zu bauen, versucht Seebeck als Professor für «Molecular Bionics», die Funktion bestimmter Gene zu verstehen, um sie besser nutzbar zu machen.

Seebeck untersucht mit seinem Team unter anderem Naturstoffe, die Holz abbauen. Während die meisten Lebewesen Holz nicht verdauen können, sind bestimmte Pilze und Bakterien dazu fähig. Allerdings zu einem hohen Preis: Sie müssen mit sogenanntem oxidativem Stress fertigwerden. Denn die aggressiven Sauerstoffmoleküle, die sie herstellen, um totes Holz anzugreifen, können auch ihnen selbst schädlich werden. Lebende Sträucher und Bäume wiederum produzieren ebensolche Sauerstoffmoleküle, um Bakterien abzuwehren. Oxidativer Stress spielt auch bei menschlichen Krankheiten eine wesentliche Rolle, unter anderem bei Krebs.

Mediziner würden deshalb gerne besser verstehen, wieso die holzabbauenden Pilze und Bakterien weitgehend resistent gegen oxidativen Stress sind. Agrarwissenschaftler sind ebenfalls an diesen Prozessen interessiert, haben aber etwas anders gelagerte Interessen: Sie möchten holzabbauende Mikroorganismen besser bekämpfen können, weil diese Krankheiten wie Feuerbrand und Kartoffelfäulnis verursachen.

Der Nutzen holzverwertender Mikroorganismen könnte aber viel weiter gehen. «Wenn wir die Abbauprozesse für uns nutzbar machen, können wird in Zukunft vieles aus Holz herstellen, wofür man heute Erdöl braucht», sagt Seebeck. «Holz könnte zum neuen Plastik werden.» Weil Holz im Gegensatz zu Erdöl nachwächst, würde so ein wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen Verwendung natürlicher Ressourcen geleistet. Allerdings muss auch mit Holz nachhaltig umgegangen werden.

Nachhaltige Grundlagenforschung

Für Seebeck ist die Natur der Inbegriff eines nachhaltigen Systems. «Was nicht nachhaltig ist, verschwindet mit der Evolution», erklärt er. «Die Natur baut nicht auf Monokultur auf, sondern auf Vielseitigkeit.» Eine grosse Zahl natürlicher Stoffe kommt in verschiedenen Organismen vor und hat auch unterschiedliche Funktionen. Genau diese Vielfalt möchte Seebeck erforschen und besser nutzen.

Die Suche nach neuen Technologien, die einen nachhaltigeren Umgang mit der Natur ermöglichen, ist für Seebeck eine grossartige Aufgabe der Naturwissenschaften. «Diese Aufgabe soll nicht nur die angewandten Wissenschaften anregen», sagt er. «Sie soll auch der Grundlagenforschung als Antrieb und Ideengeber dienen.»

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