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Universität Basel

Zurück von den grüneren Weiden

Balz Andrea Alter

Als Dissertationsprojekt entsteht an den Universitäten Basel und Aarhus ein ethnografischer Film über afrikanische Reggaemusiker, die nach Erfolgen in Europa in ihre Heimat zurückkehren. «Back from the Greener Pastures», lautet sein Arbeitstitel.

Nicht selten legen in Kamerun ganze Familien ihr gesamtes Erspartes zusammen, um mindestens ein Mitglied nach Europa zu schleusen. Man schickt die Jüngsten und Stärksten auf «grünere Weiden» und meint damit Europa und Länder wie die Schweiz. Doch nur wenige sind der afrikanischen Odyssee und den damit verbundenen Risiken gewachsen. Viele kommen nicht zurück, weil sie sich schämen, nichts erreicht zu haben. Eine grosse Bedeutung bei der Vermittlung zwischen der afrikanischen und der europäischen Lebenswelt kommt daher Vorbildern und Ausnahmerückkehrern wie den Protagonisten des Film- und Forschungsprojekts zu.

«Back from the Greener Pastures» reflektiert den Blick auf die eigene europäische Gesellschaft aus der Perspektive afrikanischer Reggaemusiker. Diese stellen für breite Schichten der mehrheitlich jungen Bevölkerung West- und Zentralafrikas eigentliche Vorbilder dar. Jüngeren Musikern verschiedenster Genres gelten sie als Wegbereiter. Der Film dreht sich um Bilder eines besseren Lebens, die diese Musiker durch ihre Kunst (re)produzieren. «Die Jugendlichen folgen dem Guten, das sie sehen», bringt es die Grossmutter des Protagonisten auf den Punkt. Geprägt und instrumentalisiert wurden solche Vorstellungen vom besseren Leben schon seit den Anfängen der Kolonien von Politikern, Intellektuellen und Künstlern.

Im globalen Dorf des 3. Jahrtausends gestalten nun aber vermehrt Sportler und Persönlichkeiten aus dem Showbusiness die Bilder nachhaltig mit. Durch ihre multimedialen Auftritte im Web 2.0 kommt damit politisch engagierten Musikern eine wichtige Rolle im Vermittlungsprozess zwischen dem globalen Süden und Norden zu. Oft sind sie nämlich für grosse Teile der einheimischen Bevölkerung glaubwürdiger als amtierende Präsidenten. Es erstaunt daher nicht, dass in West- und Zentralafrika momentan Reggaesänger in die unterschiedlichsten politischen Kampagnen eingebunden werden – etwa um die panafrikanische und die nationale Identität zu stärken oder gar den Frieden zu fördern. Wie erfolgreich diese Politik ist, ist noch offen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass die lokale Bevölkerung solch gross angelegten Kampagnen gegenüber sehr kritisch eingestellt ist.

Das Dissertationsprojekt wird durch ein Stipendium der Fritz-und-Paul-Sarasin-Stiftung für Kulturforschung gefördert. Damit können sich Doktorierende im Rahmen ihres Promotionsvorhabens während eines Studienjahrs an einer ausländischen Forschungsinstitution aufhalten. Der Autor des Projekts wird das Jahr am «Eye and Mind Program» in Aarhus (Dänemark) verbringen und dort seine rund 100 Stunden Film-Rohmaterial verarbeiten. Betreut wird er vom Basler Ethnologen Prof. Till Förster und von Prof. Peter I. Crawford von der Universität Aarhus, einem erfahrenen Filmemacher, Autor und Verleger im Bereich der Visuellen Anthropologie.

Die audiovisuelle Forschungsmethode wird es dem Autor ermöglichen, sich dem Gegenstand vor allem auch sinnlich, über Auge und Ohr, zu nähern und dieses Vorgehen gleichzeitig vertiefend in Form eines Texts zu reflektieren. Das Projekt baut auf seiner Lizenziatsarbeit von 2010 auf, die ebenfalls als Film konzipiert war: «Europaland». Dieser erhielt den Publikumspreis und die Auszeichnung «Bester Film einer Universität» am Science-et-Cité-Filmfestival 2011 in Bern und thematisiert das Europabild der Jugend in Kamerun.

MA Balz Andrea Alter, Lehrbeauftragter an der Universität Basel, arbeitet als Doktorand an dem beschriebenen Projekt.

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