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Universität Basel

Wenn Luftverschmutzung zu Asthma führt

Philipp Latzin

Dass Luftschadstoffe und Asthma auch bei Kindern zusammenhängen, wird zunehmend besser verstanden. Kinder mit Asthma reagieren ähnlich wie Erwachsene auf die Schadstoffe mit vermehrten Symptomen. Zudem spielen Luftschadstoffe im Kindesalter auch eine wichtige Rolle, wenn es später zu einer Asthmaerkrankung kommt – gerade in der frühen Lebensphase und sogar bereits in der Schwangerschaft.

Asthma ist die häufigste chronische Lungenerkrankung überhaupt – etwa jedes zehnte Kind in den Industrienationen leidet daran. Die Exposition gegenüber Schadstoffen wie Zigarettenrauch und verkehrsbedingter Luftverschmutzung gilt als bekannter Risikofaktor für Asthmasymptome bei Kindern, aber auch allgemein für die Entstehung von Asthma. Die genauen Mechanismen und die ursächlichen Zusammenhänge dieser negativen Effekte der Luftschadstoffe auf Lungengesundheit und -wachstum sowie auf die Asthmaentstehung sind vielfältig und noch nicht ganz verstanden.

Risiko für Neugeborene
Ein Teil der Wirkungen betrifft die Lunge direkt, etwa die veränderte Zusammensetzung des Schleims oder die erhöhte Entzündungsaktivität des Atemwegsgewebes. Andere Effekte laufen hingegen ausserhalb der Lunge und über mehrere Stufen ab : So führt eine vermehrte Schadstoffexposition der Mutter in der Schwangerschaft – mit niedrigerem Geburtsgewicht, veränderter Entwicklung des Immunsystems und vermindertem Lungenwachstum – zu einem erhöhten Risiko für das Neugeborene, später an Asthma zu erkranken. Kinder mit bekanntem Asthma leiden bei erhöhter Luftverschmutzung häufiger und stärker an Symptomen. So verschlechtert sich ihr Asthma deutlicher, und sie haben länger dauernde Infekte und eine schlechtere Lungenfunktion. Die Folgen davon sind ein höherer Medikamentenverbrauch, mehr Notfallkonsultationen sowie häufigere und längere Spitalaufenthalte. Die kausale Beziehung zwischen Luftschadstoffen und vermehrten Atemwegssymptomen bei Asthmatikern konnte etwa während der Olympischen Sommerspiele in Atlanta 1996 gezeigt werden : Der temporäre Rückgang der Luftverschmutzung führte damals zu einer deutlichen Abnahme der Asthmaanfälle, der Notfallkonsultationen und -hospitalisationen bei Kindern unter 16 Jahren. Über verschiedene direkte oder indirekte Mechanismen können Luftschadstoffe zur Entstehung von Asthma beitra-gen. Direkte Mechanismen sind zum Beispiel eine bronchiale Übererregbarkeit, eine erhöhte Durchlässigkeit des Atemwegsgewebes ( Epithel ), eine verstärkte Sensibilisierung gegenüber Allergenen und eine höhere Entzündungsaktivität in den Atemwegen. Besonders während der frühkindlichen Entwicklung kann dies einen starken Effekt auf eine spätere Krankheitsentstehung haben. Da die Entwicklung der Lunge und des Immunsystems im Mutterleib beginnt, wirken einige indirekte Mechanismen sogar schon während der Schwangerschaft mit : so etwa der Einfluss auf das sich entwickelnde Immunsystem oder genetische Veränderungen.

Vermindertes Lungenwachstum
Ähnlich wie das Passivrauchen führt auch die Luftverschmutzung zu einem verminderten Lungenwachstum. In mehreren grossen Studien wurde nachgewiesen, dass vor allem die Nähe zu grossen Strassen und die Feinstaubkonzentration einen negativen Einfluss auf die Lungenentwicklung haben. Interessanterweise scheinen auch für diesen Effekt nicht nur die Schulzeit, sondern auch – und gerade – die ersten Lebensjahre sehr wichtig zu sein. Unsere Arbeitsgruppe konnte sogar zeigen, dass selbst in der Schweiz eine erhöhte Exposition der Mutter gegenüber Feinstaub während der Schwangerschaft zu einer schlechteren Lungenfunktion des Säuglings kurz nach der Geburt führt. Weil eine frühe Einschränkung des Lungenwachstums auch langfristig negative Effekte haben kann, wird der gesamthafte Einfluss der Luftschadstoffe auf die Lungengesundheit derzeit vermutlich noch deutlich unterschätzt.

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