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Universität Basel

Digitale Schönheit

Dominik Mahl

Schöne, regelmässige Zähne gehören zu den Merkmalen des klassischen Schönheitsideals. Der Rekonstruktiven Zahnmedizin und -technik stehen heute dabei zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung – wegen der digitalen Technologien lässt sich gar von einer eigentlichen Revolution sprechen.

Ein gepflegtes Äusseres und besonders eine ansprechende Gesichts- und Mundregion sind heute wichtiger denn je. Dabei spielen moderne Medien, die mit einer Flut an Informationen unser ästhetisches Empfinden konditionieren, eine grosse Rolle. Neben den funktionellen, biologischen, psychologischen und medizinischen Aspekten sollten Zahnärzte deshalb dem ästhetischen Aspekt besonders Beachtung schenken. Denn ein strahlendes, gesundes Lächeln ist in unserer Kultur stark verbunden mit Schönheit. Das Gebiet der rekonstruktiven Zahnmedizin zeichnet sich vor allem durch den ästhetischen Aufbau stark zerstörter Zähne wie auch den natürlichen Ersatz von verloren gegangenen Zähnen aus. Zur Versorgung eines teilbezahnten oder zahnlosen Gebisses ist bei Behandlungsbeginn eine adäquate Untersuchung und entsprechende Planung notwendig. Zusammen mit dem Patienten bespricht der Zahnarzt oder die Zahnärztin das angestrebte Behandlungsresultat, wobei auch der Zahntechniker, der den Zahnersatz herstellt, und die Dentalhygienikerin, die für eine entzündungsfreie, parodontal gesunde Mundhöhle verantwortlich ist, in die Kommunikation einbezogen werden. Rekonstruktive Zahnmedizin basiert deshalb auf Teamwork.

Computerdesign statt Wachsmodell
Die Zahnmedizin hat heute viele Möglichkeiten: Dunkle Zähne können aufgehellt, kariesbefallene Zähne durch minimal invasive, zahnfarbene Füllungen versorgt, stark zerstörte Zähne durch Keramikschalen (Veneers) oder Kronen aufgebaut, fehlende Zähne durch Brücken oder Implantate ersetzt, Zahnfehlstellungen korrigiert und zahnlose Kiefer vollständig rekonstruiert werden. Alle diese Tätigkeiten werden schon jetzt und in Zukunft vermehrt durch digitale Technologien, die effizient, qualitativ hochstehend und vergleichsweise kostengünstig sind, unterstützt und ersetzt. So erlauben intraorale Scanner direkte Aufnahmen von präparierten und unpräparierten Zähnen im Mund. Diese Aufnahmen können zur Weiterbearbeitung gespeichert, modifiziert und mit andern digitalen Medien wie Röntgen und Fotografie kombiniert werden. Ein (theoretisch unbegrenzter) Datenaustausch zwischen den zahlreichen Partnern im Netzwerk einer dentalen Behandlung ist damit garantiert. Bisher aufwendig manuell in Wachs modellierte Zähne und Werkstücke können in einem global arbeitenden zahntechnischen Labor, das mit computerdesignten Zahnformen (CAD) aus einer Zahnbibliothek arbeitet, direkt am Bildschirm ausgeformt und digital im Material der Wahl wie Keramik oder Kunststoff fabriziert werden (CAM). Die zunehmende Digitalisierung, Spezialisierung, Globalisierung und der wirtschaftliche Wettbewerb führen zur Verschiebung von individuellen Arbeiten vom Einzelzahntechniker zu Zentren, die jegliche Werkstückformen aus einem vorgefertigten, standardisierten Materialblock herausfräsen können. Sofern notwendig, wird dieses Werkstück beim lokalen Zahntechniker noch einer Endverarbeitung unterzogen, also zum Beispiel keramisch verblendet oder bemalt. Diese Art der vernetzten Werkstückfertigung verlangt eine Neuorientierung der beteiligten Berufsfelder. So trägt die Grundausbildung der Studierenden in Zahnmedizin dieser Entwicklung Rechnung und thematisiert die digitale Zahnmedizin. Sie informiert über die intraorale digitale Abformung, über die 3-D-Planung von Implantaten bis zur digitalisiert hergestellten CAD-CAM-Totalprothese. Genauso erlebt die Zahntechnik derzeit eine Revolution in Sachen digitaler Modellation und Konstruktion. Digitale Technologien erleichtern etwa das Kopieren von bestehenden klinischen Situationen. Zeigt sich zum Beispiel die Form und Ausdehnung einer provisorischen Krone auf einem beschliffenen Zahn als korrekt und vom Patienten akzeptiert, so kann anhand digitaler Datensätze des Zahnstumpfs und des Provisoriums durch digitale Überlagerung in einer Fertigungssoftware eine Kopie des getragenen Provisoriums hergestellt werden, und zwar mittels einer Fräsung aus Keramik. Sowohl die Zahnärzte als auch die Patienten können so verlässlich von einem vorhersehbaren, guten Behandlungsergebnis ausgehen.

Neuartige Prothesen und digitalisierte Implantologie
Epidemiologisch finden sich in der Schweiz immer noch zahlreiche zumindest in einem Kiefer zahnlose Patienten. Diese können sowohl mit konventionellen Totalprothesen aus Kunststoff als auch mit Prothesen, die auf Implantaten abgestützt sind, versorgt werden. Letztere wiederum lassen sich vollständig digital, entweder aus Kunststoff oder ganz aus einer Hochleistungskeramik – in diesem Fall Zirconiumdioxid – fabrizieren. Zirconia zeichnet sich dabei durch hohe Biokompatibilität, Porenfreiheit und Stabilität aus. Aber auch das Fräsen von konventionellen Kunststoff-Totalprothesen ist heute möglich, was – neben der Kostenersparnis – zu einer stark verbesserten Materialqualität führt. Die moderne Implantologie basiert auf dem Konzept des sogenannten «Backward planning». Dies bedeutet, dass der rekonstruktiv tätige Zahnarzt dem Patienten bereits bei Behandlungsbeginn das funktionelle und ästhetische Endresultat einer prothetischen Versorgung auf Implantaten als Vision präsentiert. Ausgehend davon wird die Implantatposition festgelegt. Die effektive Position des Implantats im Mund wird wiederum mittels eines intraoralen Scanners, der mit dem Prinzip optischer Sensoren (LED oder Laser) arbeitet, erfasst, also digital abgeformt. Sämtliche weiteren Schritte, die zur prothetischen Versorgung führen, wie das Herstellen des Abutments (Verbindungsteils) oder Gerüsts und der eigentlichen Suprastruktur (Krone oder Brücke) basieren auf diesen Ausgangsdaten und erlauben eine erfolgreich voraussagbare Herstellung des Schlussprodukts. Offensichtlich läuft zurzeit eine Revolution innerhalb des Gebiets der rekonstruktiven Zahnmedizin ab. Sie wird einen bedeutenden Einfluss auf die Ausbildung von zukünftigen Zahnärzten, auf die klinischen und zahntechnischen Arbeitsabläufe, auf die Fertigungstechnologien, auf die Qualitätsstandards von Zahnersatz und nicht zuletzt auch auf die Kostenstruktur haben.

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