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Universität Basel

Wenig Wissen über Sonnenschutz

Daphne Reinau, Christian Surber

Die von der Sonne emittierte ultraviolette (UV-)Strahlung ist hauptverantwortlich für die meisten Krebserkrankungen der Haut. Das Wissen darüber lässt unter Schweizer Kindern und Jugendlichen zu wünschen übrig: In einer Befragung gab über die Hälfte von ihnen an, im letzten Jahr einen Sonnenbrand erlitten zu haben.

Wegen der zunehmenden verhaltensbedingten Sonnenexposition der Menschen ist die Anzahl an Hautkrebs-Neuerkrankungen in den letzten Jahrzehnten weltweit erheblich angestiegen. Die Schweiz ist mit jährlich rund 2000 neu diagnostizierten Patienten mit malignem Melanom (schwarzem Hautkrebs) und geschätzten 15’000 mit nichtmelanozytären Hautkarzinomen (hellem Hautkrebs) besonders stark betroffen. Sonnenschutz als die wichtigste präventive Massnahme ist in der Kindheit und Jugend von besonderer Bedeutung, da diese frühen Lebensabschnitte als Schlüsselperiode für die Entstehung von Hautkrebs im Erwachsenenalter identifiziert wurden. Obwohl die Schweiz zu den ersten Ländern Europas gehört, in denen Präventionskampagnen gegen Hautkrebs lanciert wurden, war bisher kaum bekannt, wie weit Kinder und Jugendliche hierzulande über die Gefahren der UV-Strahlung und wirksamen Sonnenschutz aufgeklärt sind und wie gut sie sich tatsächlich vor der Sonne schützen. In einer an der Universität Basel durchgeführten Studie wurden daher in öffentlichen Schulen im Kanton Basel-Stadt Befragungen durchgeführt. Die Auswertung der 887 Fragebogen, die von den 8- bis 17-Jährigen ausgefüllt worden waren, zeigte, dass der Wissensstand in Sachen UV-Strahlung und Sonnenschutz nur bei rund einem Drittel hoch war. Dass UV-Strahlung Hautkrebs verursachen kann, war immerhin bei 72% der Befragten bekannt, doch wussten deutlich weniger Kinder und Jugendliche, wie man sich richtig schützt und in welchen Situationen Sonnenschutz speziell wichtig ist. Die von ihnen am häufigsten (allerdings nur ungenügend praktizierte) Methode waren Sonnenschutzmittel; dagegen wurden das Aufsuchen von Schatten und das Tragen deckender Kleidung kaum genannt. Schüler und Schülerinnen mit hohem Bildungshintergrund verwendeten häufiger Sonnencrème. Wer nach Bräune strebte (das waren besonders die älteren Jugendlichen und die Mädchen), griff zwar nicht weniger zur Crème, suchte aber an sonnigen Sommertagen deutlich seltener Schatten auf und trug häufiger schulterfreie Oberteile. Gerade dieses Verhalten – nicht in den Schatten zu gehen und freizügige Kleidung zu tragen – war assoziiert mit einem erhöhten Sonnenbrandrisiko, während die Häufigkeit, Sonnencrème zu verwenden, keinen direkten Einfluss auf die Anzahl erlittener Sonnenbrände hatte. Dies kann damit erklärt werden, dass, wer sich öfter eincrèmt, sich vermutlich auch häufiger in der Sonne aufhält und dabei die Schutzwirkung von Crèmen überschätzt. Dass mehr als die Hälfte aller Schüler und Schülerinnen angab, im Vorjahr mindestens einen Sonnenbrand erlitten zu haben, unterstreicht, dass sich ein Grossteil von ihnen nur mangelhaft vor der Sonne schützt. Um die Hautkrebsrate in der Schweiz längerfristig zu senken, muss nach neuen Wegen gesucht werden, Kindern und Jugendlichen das Thema Sonnenschutz näherzubringen. Eine besondere Herausforderung wird es dabei sein, das gängige Schönheitsideal der sonnengebräunten Haut wieder in Richtung eines helleren Teints zu verändern. Sonnengebräunte Haut wurde nämlich nicht immer für attraktiv gehalten – im Gegenteil: Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war sie Merkmal niedriger Bevölkerungsschichten, die ihre Arbeit im Freien verrichten mussten.

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