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Universität Basel

Wissenschaftliche Sammlungen schützen und erhalten

Flavio Häner, Sussanne Grulich Zier

In nahezu allen Fachdisziplinen sind Sammlungen ein wichtiger Teil von Forschung und Lehre. Solche Bestände werden an Hochschulen auch angelegt, um historische Objekte zu erhalten und damit die Entwicklungen der Wissenschaften zu dokumentieren. Die Universität Basel will sich für ihre teilweise vergessenen und bedrohten Sammlungen verstärkt einsetzen.

Beim Thema Sammeln denken wir zuerst oft an eine vergnügliche Freizeitbeschäftigung. Ob Fussballbilder, Briefmarken oder Muschelschalen – wohl jeder Mensch hat irgendwann irgendetwas gesammelt. Doch Sammeln ist weit mehr als blosser Zeitvertreib. Sammeln, das kann auch systematisches Suchen und Zusammentragen von Objekten und Informationen, Ordnen und Klassifizieren, Vergleichen und Dokumentieren bedeuten, alles mit dem Ziel, die Fülle der gesammelten Dinge in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Sammeln schafft Wissen. Ohne das systematische Zusammentragen und Ordnen von Daten und Dingen könnte Wissenschaft nicht funktionieren. Von A wie Archäologie bis Z wie Zoologie – in praktisch allen akademischen Fächern spielen Sammlungen eine zentrale Rolle zur Wissensgenerierung.

Teil des kulturellen Erbes
Neben den unabdingbaren wissenschaftlichen Forschungsund Lehrsammlungen existieren noch weitere Sammlungen von Gegenständen mit historischem Charakter. Lehrmodelle aus dem Unterricht oder Forschungsinstrumente, mit denen bedeutende Entdeckungen gemacht wurden, bewahrt man in den einzelnen wissenschaftlichen Einheiten auf – in Erinnerung an die Leistungen der Forscherinnen und Forscher und zur Dokumentation der Entwicklungen in den Wissenschaften. Mit dem immensen Fortschritt von Wissenschaft und Technik und der damit verbundenen Umstrukturierung des Lehr- und Forschungsbetriebs im vergangenen Jahrhundert drohten einige dieser Sammlungen ins Abseits oder gar ganz in Vergessenheit zu geraten. Heute bilden wissenschaftliche Sammlungen nicht nur eine wichtige Grundlage für Lehre und Forschung, sondern gehören ebenso zum kulturellen Erbe der Wissenschaft. Auch die Universität Basel mit ihrer über 550-jährigen Geschichte unterhält eine Vielzahl von Sammlungen in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Gebieten. Diese reich-haltigen Bestände sind eng mit der Geschichte der Universität verknüpft und bildeten nicht nur den Kern der fünf heute bestehenden staatlichen Museen (Naturhistorisches Museum, Historisches Museum, Kunstmuseum, Museum der Kulturen und Antikenmuseum), sondern legten auch die Basis für die Etablierung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen.

Aufwendige Betreuung
Noch heute unterhält die Universität Basel eine Vielzahl von Sammlungen sowie zwei eigene Universitätsmuseen: das Pharmazie-Historische Museum und das Anatomische Museum. Es existieren zahlreiche Sammlungen materieller Objekte, die zum Zweck von Lehre und Forschung angelegt wurden. Im Unterschied zu den öffentlichen Sammlungen in den Museen sind diese aber oft verborgen in den einzelnen Instituten untergebracht. Die Betreuung der Sammlungen sowohl als Forschungsinfrastrukturen wie auch als historische Objekte stellt eine Herausforderung für die sich ständig wandelnden Universitäten dar. Die Kollektionen erfordern eine dauernde sowie raumund zeitaufwendige Betreuung. Knappe Ressourcen, anstehende Umzüge oder zeitlich beschränkte Unterbringung in provisorischen Magazinen stellen grosse Anforderungen an die Sammlungsverantwortlichen.

Ein internationales Thema
Das Thema der wissenschaftlichen Sammlungen an Hochschulen – ihre Erschliessung, Erhaltung und Erforschung – beschäftigt nicht nur die Universität Basel. Bereits im Jahr 2000 wurde die Abteilung University Museum and Collections (UMAC) als Unterorganisation des Internationalen Museumsrats ICOM gegründet. UMAC ist eine Plattform zur Förderung der internationalen Vernetzung und Zusammenarbeit der zahlreichen Museen und Sammlungen an den Universitäten. Dadurch sollten die oft kleineren und unscheinbaren Institutionen ebenfalls einen Platz in der weltweiten Museumslandschaft erhalten. Heute hat UMAC rund 200 institutionelle Mitglieder aus über 40 Nationen. Ebenfalls im Jahr 2000 wurde das auf den europäischen Raum ausgerichtete Netzwerk Universeum gegründet, das dem Erhalt und der Erforschung des materiellen und immateriellen kulturellen Erbes der Wissenschaften dient. Neben seinem Engagement zugunsten von Sammlungen setzt sich Universeum auch für die Erfassung und Erhaltung anderer wissenschaftlicher Infrastrukturen wie Laboratorien und Hörsäle oder besonderer akademischer Festakte und Rituale ein. Für den deutschsprachigen Raum wichtig sind vor allem die langjährigen Tätigkeiten des Hermann von Helmholtz- Zentrums für Kulturtechnik an der Humboldt Universität zu Berlin, aus der 2012 die bundesweit agierende deutsche Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen hervorging. In der Schweiz sind derartige Initiativen zum Schutz und Erhalt wissenschaftlicher Sammlungen bisher kaum präsent.

Langfristige Sicherung als Ziel
Die Universität Basel beabsichtigt nun, sich zukünftig verstärkt für ihre wissenschaftlichen Sammlungen einzusetzen. Daher hat das Rektorat beschlossen, ein Projekt zu lancieren mit dem Ziel, den Status quo der wissenschaftlichen Sammlungen aufzunehmen und daraus Schlüsse für erforderliche Massnahmen zu ziehen. Dadurch soll die Erhaltung der Objekte für die Zukunft gesichert und gleichzeitig auf das Vorhandensein dieser einmaligen Sammlungen aufmerksam gemacht werden – nicht nur innerhalb der Universität, sondern auch in der Öffentlichkeit. Deshalb will die Hochschule weitere Schritte unternehmen, die Bekanntheit der universitätseigenen Sammlungen in der Fachwelt und bei einem weiteren Publikum zu steigern. Im September dieses Jahres widmete sich eine vom Pharmazie-Historischen Museum organisierte Tagung denwissenschaftlichen Sammlungen an Schweizer Hochschulen. Damit nimmt die Universität Basel eine Vorreiterrolle ein, um das Thema wissenschaftliche Sammlungen in der Schweiz in einem durch Vernetzung und Kooperationen unter den Universitäten geprägten – nationalen wie auch internationalen – Kontext anzugehen. Zukünftig wird auch eine Website entstehen, in der die Bestände der Universität Basel vorgestellt werden. Weitere Projekte sind derzeit in Arbeit, um den Schutz und den Erhalt als kulturelles Erbe, aber auch die Nutzung der Sammlungen in der aktuellen Forschung langfristig zu sichern.

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