x
Loading
+ -

Universität Basel

«Universität soll Menschen bilden»

Christoph Dieffenbacher

Für den neuen Vizerektor für Lehre und Entwicklung der Universität Basel, Prof. Dr. Maarten Hoenen, ist die Hochschule eine Instanz des Wissens, die junge Menschen in ihrer Entwicklung unterstützen soll.

Maarten Hoenen
Maarten Hoenen

Sie arbeiten als gebürtiger Niederländer in der Schweiz – sehen Sie Ähnlichkeiten und Unterschiede an den Hochschulen der beiden Länder? Typisch für kleinere Staaten ist, dass der Umgang der Menschen untereinander stark auf Konsens und Pragmatik ausgerichtet ist. Man kennt sich, und man trifft einander ständig. Doch es gibt auch Differenzen: Die Niederländer sind ziemlich experimentierfreudig und initiativ, geben etwas auch wieder auf, was sich nicht bewährt. Die Schweiz scheint mir bedächtiger, besitzt aber dafür einen sehr hohen Grad an Zivilisiertheit – und sie ist wirtschaftlich ein globaler Player.

Die Universität Basel soll stärker an ein internationales Niveau herangeführt werden…
Wissenschaft ist immer international. Wer die Wahrheit liebt, muss überall dort graben können, wo sie verborgen liegt. Aber ich denke, dass die Universität Basel punkto Globalisierung ein besonderes Potenzial besitzt, international stärker wahrgenommen zu werden: durch die geografische Lage, die Marke Schweiz, die Nachbarschaft mit Frankreich ebenso wie durch die Verbindungen zu Wirtschaft und Kultur.

Wie sehen Sie die Rolle der Universität in der Gesellschaft?
Die Idee der Universität, im Spätmittelalter entstanden, hat eine Form gefunden, die heute noch lebt. Hochschulen in freiheitlichen Gesellschaften sind Institutionen, die die Hoheit über die Fakten und deren Interpretationen haben sollten. Die Bevölkerung sollte von ihnen vertrauenswürdiges Wissen erhalten, um ihre Entscheide treffen zu können – gerade in der Schweiz mit ihrer demokratischen Tradition, aber auch anderswo.

Wohin soll sich der Bereich der Lehre entwickeln?
Lehre ist mehr als die Vermittlung von Fakten. Eine Universität, die sich nur auf wissenschaftliche Inhalte konzentriert, hat heute keine Funktion mehr – Fakten lassen sich überall abrufen. Wir haben es mit Studierenden zu tun, jungen Menschen, die in einer entscheidenden Lebensphase stehen, und wir sollten ihnen helfen, ihre Lebensentscheidungen zu treffen. Wissen ist für mich kein Ziel an sich, sondern ein Mittel, die Menschen zu Persönlichkeiten entwickeln zu lassen. Ich bin ja eher ein Mann der Forschung, doch merke ich, dass es Freude macht, Erfahrungen weiterzugeben, auch durch die neuen Medien.

Haben Sie da konkrete Pläne?
Ja, ich habe einige Ideen, doch die kann ich nicht verordnen. Ich bin offen für neue Initiativen und Bedürfnisse von Kollegen, Professoren wie auch von Studierenden. Eine Universität sollte zudem kontinuierlich im Dialog mit ihren Studierenden stehen, ihren wichtigsten Angehörigen.

Werden mit Ihnen nun die Geisteswissenschaften an der Universität Basel verstärkt?
Man sollte an der – aus dem 19. Jahrhundert stammenden – scharfen Trennung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften nicht festhalten, sondern eine Verbindung suchen. Die Forschungspraxen sind nicht so verschieden. Der Mensch als urteilendes Wesen hat ein Recht, zu wissen, wer er ist. Die Geisteswissenschaften können Erkenntnisse liefern, mit denen sich unsere Gesellschaft und ihre Probleme besser verstehen lassen. Und umgekehrt können die Naturwissenschaften die Selbstbilder des Menschen kritisch infrage stellen.

Prof. Maarten Hoenen (*1957), seit 1. August 2013 Vizerektor für Lehre und Entwicklung, war zuvor neun Jahre Professor für Philosophie an der Universität Freiburg i. Br. Nach dem Studium der Philosophie und der Theologie in Nijmegen promovierte er 1989 und lehrte darauf in Amsterdam, Nijmegen und Leuven. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Philosophie und Theologie des Mittelalters, die Geschichte der Universitäten und die kritische Edition von mittelalterlichen philosophischen und theologischen Werken.

nach oben