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Universität Basel

Sauerstoff als Werbeträger

Helma Wennermers

Helma Wennemers
Helma Wennemers

Bei einem Ausflug nach Deutschland stolperte ich über mehrere Werbeplakate eines Telefonanbieters mit der Aufschrift O2. Sauerstoff als Werbeträger – ob sich die Firma dabei im Klaren ist, dass Sauerstoff zwar wichtig für unser Leben ist, dass er unser Leben aber auch gleichzeitig zerstört? Klar, ohne Sauerstoff könnten wir nicht leben, und wir würden genauso schnell erlöschen wie eine brennende Kerze, die in einen mit Kohlendioxid gefüllten Raum gestellt wird. Produziert wird der Sauerstoff durch die Photosynthese der Pflanzen und vor allem jene der Blaualgen in den Ozeanen. Mit unserer Atmung konsumieren wir den Sauerstoff und nutzen ihn zur Verbrennung unserer Nahrung. Dabei wird der Sauerstoff in komplexen Stoffwechselprozessen letztlich zu Wasser umgewandelt, und gleichzeitig entsteht eine grosse Menge an Energie, die unseren Stoffwechsel aufrechterhält. Bezieht man die Energiemenge, die unser Körper durch die Atmung produziert, auf das Gewicht, so übertrifft sie übrigens die Energiemenge, die in derselben Zeit auf einem gleich schweren Teil der Sonne gebildet wird, um ein Vielfaches. Unsere Atmung ist also ein höchst effizientes System zur Energiegewinnung …
… das jedoch nicht ganz perfekt funktioniert. Denn bei der Atmung entstehen hochreaktive Sauerstoffspezies, sogenannte Sauerstoffradikale, von denen ein kleiner Teil – weniger als 5% – dem üblichen Stoffwechselkreislauf entweichen und unsere Zellen schädigen. Davon betroffen sind so gut wie alle Moleküle, die unsere Zellen aufbauen, also Proteine, Fette, Kohlenhydrate und auch unsere Erbsubstanz, die DNS. Täglich erleidet sie an vielen Stellen durch die Reaktion mit den Sauerstoffradikalen Schädigungen. Die meisten dieser Schäden können glücklicherweise von unserem körpereigenen Abwehrsystem erkannt und beseitigt werden. Mit der Zeit ist jedoch eine Anhäufung von Schädigungen unvermeidbar. Diese führen letztlich zu Fehlfunktionen und dazu, dass unser Organismus nicht mehr ganz so arbeitet, wie er es in jungen Jahren noch konnte. Nein, nein, das soll nun nicht heissen, dass Luftanhalten ein gutes Mittel gegen Alterung ist ... denn zum Glück schützt sich unser Körper gegen eine allzu frühe Alterung mit einer ganzen Reihe von Radikalfängern. Einige dieser Antioxidantien produziert er selbst, wie zum Beispiel das Coenzym Q10 oder Glutathion. Andere wie etwa Karotine, Vitamin C und Vitamin E oder auch die im Rotwein und grünen Tee enthaltenen Polyphenole müssen wir mit der Nahrung zu uns nehmen. Ob auf den Werbeplakaten der Telefonfirma demnächst neben Sauerstoff auch Vitamin C erscheint?

Prof. Helma Wennemers (*1969) ist Extraordinaria für organische Chemie an der Universität Basel. Nach dem Studium in Frankfurt a. M. doktorierte sie an der Columbia- Universität in New York und war danach Postdoktorandin an der Nagoya-Universität in Japan. 1999 kam sie als Stiftungs- Assistenzprofessorin der Firma Bachem an die Universität Basel. In ihrer Forschung untersucht sie die Eigenschaften von Peptiden als Vermittler von chemischen Reaktionen sowie als Bausteine supramolekularer Aggregate und entwickelt synthetisches Kollagen.

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