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Universität Basel

Familienkonflikte bei Insekten

Ohrwurmweibchen mit frisch geschlüpften Nymphen.
Ohrwurmweibchen mit frisch geschlüpften Nymphen.

Wenn Insektenlarven von ihren Eltern Nahrung, Schutz und Zuneigung verlangen, zeigen sie einen erstaunlichen Einfallsreichtum. Ähnlich wie bei Vögeln und Säugetieren gibt es Konflikte innerhalb der Insektenfamilie um die Fürsorge der Eltern. Die Gruppe von Prof. Mathias Kölliker vom Zoologischen Institut der Universität Basel erforscht bei Insekten, inwiefern solche Konflikte verantwortlich sind für die Evolution der enormen Vielfalt an Merkmalen, die Jungtiere einsetzen, um die elterliche Fürsorge auf sich zu lenken. So versetzen die Larven der Buckelzirpe bei Gefahr den Ast, auf dem sie sitzen, in Vibration, was sofort die Mutter herbeiruft, die die Brut gegen den Raubfeind beschützt. Larven des Totengräberkäfers betteln Mutter oder Vater an, sobald sie in der Nähe sind: Sie richten sich auf, rangeln darum, möglichst nahe zu den Eltern zu kommen, und kraulen diese mit den Beinen am Kopf, um sie dazu zu stimulieren, Futter hochzuwürgen und die Larven zu füttern. Ganz ähnlich geht es bei den Ohrwürmern zu: Neben dem Gerangel darum, wer von der Mutter gefüttert wird, produzieren deren Larven («Nymphen») auf der Haut wachsartige Substanzen (Kohlenwasserstoffe), die das mütterliche Fütterverhalten beeinflussen. Die Forschenden konnten kürzlich zeigen, dass Ohrwurmmütter mehr füttern, wenn sie dem Geruch von gut genährten Jungen ausgesetzt waren. Vermutet wird, dass sich solche «Qualitätssignale » bei Ohrwurmfamilien evolutiv durchgesetzt haben, da von den etwa 50 Jungen nur sehr wenige überleben. Da zahlt es sich aus Sicht der Mutter aus, in jene mit den höchsten Erfolgschancen zu investieren.

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