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Universität Basel

23. September 2015

Wolf im Schafspelz: Schuppenfressende Buntbarsche tricksen ihre Beute aus

Tanganjika-Schuppenfresser (Plecodus straeleni)
Der Tanganjika-Schuppenfresser (Plecodus straeleni) ernährt sich ausschliesslich von den Schuppen anderer Fische. (Bild: Universität Basel, Zoologie)

Das Vortäuschen falscher Tatsachen zählt zu den ausgeklügeltsten Überlebensstrategien im Tierreich. Zoologen der Universität Basel konnten nun einen ganz besonderen Fall solcher Trickserei bei einem afrikanischen Buntbarsch aufzeigen, der sich auf das Fressen von Schuppen anderer Fische spezialisiert hat. Der Schuppenfresser imitiert friedfertige Fische, um sich unbemerkt an seine Beute heranmachen zu können, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Biologie Letters».

In den artenreichen Seen Ostafrikas leben hunderte Arten von Buntbarschen. Sie gelten als Musterbeispiele für schnelle Anpassung an ökologische Nischen und für die Bildung von neuen Arten. Die meisten Buntbarsche haben sich auf eine bestimmte Ernährungsweise spezialisiert wie etwas das Abraspeln von Algen, das Aufknacken von Schneckenhäusern oder das Aufsaugen von Kleintieren. Eine besonders ausgefallene Strategie verfolgen die sogenannten Schuppenfresser, die sich, wie der Name erahnen lässt, ausschliesslich von den Schuppen anderer Fische ernähren.

Schuppen fressende Buntbarsche, wie man sie vor allem im Tanganjikasee häufig antrifft, zeigen besondere Anpassungen an ihre spezielle Diät, wie etwa rechenartige Reisszähne und ein sich seitlich öffnendes Maul. Diese Anpassungen ermöglichen ihnen ein schnelles Herausreissen der Schuppen bei ihren Attacken auf die ahnungslosen Beutefische. Einige Vertreter, wie etwa der blau-weiss gestreifte Tanganjika-Schuppenfresser Plecodus straeleni, zeigen zudem ein Farbmuster, welches anderen Buntbarschen täuschend ähnlich sieht.

Wolf im Schafspelz frisst Ziegen

Bisher wurde angenommen, dass Schuppenfresser ihre Beutefische imitieren, um sich – wie ein Wolf im Schafspelz – unerkannt in deren Schwärmen einzuschleichen. Die Basler Zoologen konnten nun aber zeigen, dass der Fisch in Wahrheit eine andere Strategie verfolgt: «Es zeigt sich, dass Schuppenfresser ein sehr breites Nahrungsspektrum aufweisen und praktisch nie ihre gleich aussehenden Modelle angreifen», so Nicolas Boileau, Erstautor der Studie.

Um dieser ausgefeilten Taktik auf die Schliche zu kommen, wendeten die Forscherinnen und Forscher der Universität Basel ein neuartiges Verfahren an. Ihre Studie stützt sich nicht auf die direkte und sehr schwierige Beobachtung der blitzschnellen Angriffe in der freien Wildbahn, sondern auf molekulare Untersuchungen im Labor. Am Fachbereich Zoologie der Universität Basel untersuchten sie den Mageninhalt der blau-weissen Räuber und analysierten den genetischen Fingerabdruck der verspeisten Schuppen. So konnten die einzelnen Schuppen eindeutig der jeweiligen Beuteart zugeordnet werden.

Die Resultate offenbaren die Komplexität dieser sogenannten «aggressiven Mimikry»: Die Schuppenfresser imitieren nämlich gleich mehrere blau-weiss gestreifte Arten, um eine ganze Artengemeinschaft auszutricksen. «Der Schuppenfresser verfolgt die Strategie eines Wolfes, der sich als Schaf verkleidet, um sich dann aber an Ziegen und Kühe heranzumachen», fasst Studienleiter Prof. Walter Salzburger die Ergebnisse zusammen.

Originalbeitrag

N. Boileau, F. Cortesi, B. Egger, M. Muschick, A. Indermaur, A. Theis, H. H. Büscher, W. Salzburger (2015)
A complex mode of aggressive mimicry in a scale-eating cichlid fish.
Biology Letters 20150521, doi: 10.1098/rsbl.2015.0521


Weitere Auskünfte

Prof. Walter Salzburger, Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften, Fachbereich Zoologie, Tel. +41 61 267 03 03, E-Mail: walter.salzburger@unibas.ch

Bildmaterial
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