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Universität Basel

20. November 2008

Sexualität von Jugendlichen: Studie der Universität Basel vorgestellt

Über zwei Drittel der Jugendlichen in der Schweiz meinen über Sexualität sehr gut Bescheid zu wissen. Das «erste Mal» ist zwar selten geplant, doch waren zwei Drittel dabei in einer festen Beziehung. Zwei Drittel der 17-Jährigen haben ihren ersten Geschlechtsverkehr bereits erlebt, und die Hälfte der Jugendlichen wurde bis zum Alter von elf Jahren aufgeklärt – vor allem durch die Schule. Dies ergibt eine Online-Befragung, welche die Universität Basel im Auftrag der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) durchführte. An der Studie, die am Donnerstag (20.11.2008) an einer Tagung in Biel vorgestellt wurde, nahmen 1480 Jugendliche aus der Deutsch- und Westschweiz teil.

Damit der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter gelingt, haben Jugendliche zum Teil schwierige Entwicklungsaufgaben zu lösen. Das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit Sexualität ist dabei zentral. Zu diesem Thema liess die EKKJ daher Jugendliche zu Fragen rund um das Thema Sexualität beantworten. An der Universität Basel wurde dafür ein Fragebogen mit 43 Fragen entwickelt, der im Frühling 2008 während zwei Monaten auf zwei Internet-Beratungsplattformen aufgeschaltet war. Zwei Drittel der Teilnehmenden waren Mädchen und 61% zwischen 15 bis 18 Jahre alt.

Die Hälfte der antwortenden Jugendlichen wurde bis im Alter von elf Jahren aufgeklärt, an erster Stelle durch die Schule (27% der Mädchen, 39% der Knaben). An zweiter Stelle gaben 23% der Mädchen die Mutter an; die Knaben dagegen sagten am zweithäufigsten, «von niemandem» aufgeklärt worden zu sein (16%). Als Drittes erwähnten die Mädchen andere Mädchen (11%), die Knaben andere Jungen (13%).

69% der Jugendlichen denken, sehr gut über Sexualität Bescheid zu wissen. Über Schwangerschaftsverhütung sind es 44%, während 7% antworteten, nicht viel darüber zu wissen. Eine andere Frage betrifft den Zyklus der Frau: Die Frage, ob sie wüssten, wann das Risiko, schwanger zu werden, am grössten sei, beantworten 76% mit Ja. Doch es zeigt sich, dass bei weitem nicht alle tatsächlich Bescheid wissen: Knapp die Hälfte, die meinen, den Zeitpunkt zu kennen, geben eine falsche Antwort. Von diesen haben 16% ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Beim «ersten Mal» …


Die von der Universität Basel befragten Jugendlichen meinen weiter, dass man sein «erstes Mal» im Alter zwischen 16 bis 17 Jahren erleben sollte. 16% hatten überhaupt keine sexuelle Erfahrung, auch nicht mit Küssen oder Petting. Dagegen gibt mehr als die Hälfte an, Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, wobei dieser Anteil erwartungsgemäss mit dem Alter zunimmt. Während bei den Jüngsten mehr Knaben als Mädchen äussern, erfahren zu sein, kehrt sich dieser Geschlechtsunterschied in der mittleren Adoleszenz um: Die 15- bis 18-jährigen Mädchen zeigen sich erfahrener als die gleichaltrigen Jungen.

Auf die Frage, wann die Jugendlichen ihr «erstes Mal» erlebt haben, geben zwei Drittel der 17-Jährigen an, ihren ersten Geschlechtsverkehr bereits erlebt zu haben. Ein kleiner Anteil von 6% scheint bereits sehr früh sexuell aktiv gewesen zu sein, nämlich zwischen 12 und 14 Jahren. Der erste Geschlechtsverkehr wird in wenigen Fällen als geplant bezeichnet. Dennoch waren zwei Drittel der Jugendlichen bei ihrem «ersten Mal» in einer festen Beziehung; fast ebenso viele geben auch an, die Initiative sei von beiden ausgegangen.

… verhüten 85%


Laut der Befragung verhüten 85% bei ihrem «ersten Mal», wobei hier Mädchen zahlreicher vertreten sind. Die meisten Jugendlichen, die nicht verhüteten, sagen, dass es zu schnell ging oder sie kein Verhütungsmittel zur Hand hatten; wenige geben auch an, dass Alkohol oder Drogen im Spiel gewesen seien. Alarmierende Zahlen liegen für die 12- bis 14-jährigen Knaben vor, bei denen sich ein eigentliches Risikoverhalten zeigt; allerdings bilden sie eine sehr kleine Gruppe.

Die Resultate der Studie sprechen dafür, dass eine möglichst frühe Prävention sinnvoll ist. Gerade früh pubertierende Jugendliche sollten nicht unvorbereitet den starken körperlichen und psychischen Veränderungen der Adoleszenz gegenüberstehen. Zudem ist davon auszugehen, dass viele Kinder und Jugendliche erst in der Schule sexuell aufgeklärt werden. Dieser kommt damit eine wichtige Rolle bei der Informationsvermittlung zu. Gemäss den heutigen Erkenntnissen setzt frühes Wissen das Alter für erste sexuelle Erfahrungen nicht herunter.

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