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Universität Basel

29. Juni 2015

Ist die Ehe gut oder schlecht für die Figur? Ein Vergleich von neun europäischen Ländern

Es wird allgemein angenommen, dass sich die Ehe positiv auf Gesundheit und Lebenserwartung auswirkt. Trifft dieser «Ehe-Bonus» auch für den Gesundheitsindikator Körpergewicht zu? Dieser Frage gingen Psychologen der Universität Basel und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin in Zusammenarbeit mit der deutschen Gesellschaft für Konsumforschung nach. Dafür verglichen sie den Body-Mass-Index von verheirateten Paaren mit dem von alleinstehenden Menschen in neun europäischen Ländern. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift «Social Science & Medicine» veröffentlicht.

Eine Reihe von Studien zeigt: Die Ehe ist gesundheitsfördernd. Doch stimmt das nicht für alle Gesundheitsindikatoren, wie jetzt ein Forschungsteam aus Basel, Nürnberg und Berlin belegt. Demnach ernähren sich zusammenlebende Paare zwar durchschnittlich besser als alleinstehende Menschen, jedoch wiegen sie auch signifikant mehr und treiben weniger Sport. In ihrer Studie verglichen die Psychologen die Verbindung zwischen dem Zivilstand und dem Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht eines Menschen in Relation zu seiner Körpergrösse setzt. Ein zu hoher BMI kann ein Risikofaktor für chronische Erkrankungen wie Diabetes oder kardiovaskuläre Krankheiten sein.

Zusammenhang zwischen Zivilstand und BMI

Für die Erhebung nutzten die Forschenden repräsentative Querschnittsdaten von 10‘226 Personen aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Russland, Spanien und Grossbritannien. Die Studie ist die erste, die den Zusammenhang zwischen Zivilstand und BMI in neun europäischen Ländern vergleicht. Dabei betrachteten die Psychologen nicht nur verheiratete, sondern berücksichtigten auch zusammenlebende Paare. Zusätzlich prüften sie mögliche Ursachen für die Gewichtszunahme mit Blick auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Befragten.

Über alle neun Länder hinweg zeigte sich, dass Paare im Vergleich zu Alleinstehenden einen höheren BMI haben – dies betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Dabei gibt es länderübergreifend erstaunlich wenige Unterschiede. Der durchschnittliche BMI der befragten alleinstehenden Männer lag bei 25,7, bei  den verheirateten Männern waren es 26,3. Bei den Frauen lag der Durchschnittswert der unverheirateten bei 25,1 und der verheirateten bei 25,6. Ein normaler BMI liegt laut Weltgesundheitsorganisation zwischen 18,5 und 25; von Übergewicht spricht man bei einem Wert zwischen 25 und 30, darüber von Adipositas oder Fettleibigkeit.

Soziale Faktoren und Gesundheit

Obgleich die Unterschiede im Index klein erscheinen, haben sie Bedeutung. Bei einer Durchschnittsfrau mit 1,65 Meter oder einem Durchschnittsmann mit 1,80 Meter Körpergrösse sind dies etwa zwei Kilo Unterschied. Wichtig ist, dass diese Ergebnisse bereits den Einfluss des sozioökonomischen Status, Alters und der Länderzugehörigkeit berücksichtigen. «Die Resultate zeigen die Bedeutung von sozialen Faktoren für die Gesundheit. In diesem Fall, dass die Institution Ehe und relevante Verhaltensveränderungen im Kontext der Ehe direkt mit der Ernährung und dem Körpergewicht zusammenhängen», sagt Prof. Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs «Adaptive Rationalität» am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

Mögliche Ursachen für diesen Trend lieferte die Erhebung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens. So gaben Paare beim Thema Ernährung eher an, dass sie regionale und unbehandelte Produkte bevorzugen und auf Fertigprodukte verzichten. Die befragten Männer legten zudem mehr Wert auf biologische und fair gehandelte Lebensmittel, wenn sie in einer Partnerschaft waren.

Männer in Beziehungen: Weniger Sport

«Das lässt darauf schliessen, dass die Ernährung durch eine Partnerschaft vor allem für Männer bewusster und damit wahrscheinlich auch gesünder wird», sagt Prof. Jutta Mata, Erstautorin und Assistenzprofessorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Basel. Jedoch heisst das nicht, dass sie allgemein gesünder sind. Denn die Studie zeigt auch, dass Männer in Beziehungen weniger Sport treiben als Alleinstehende. «Schaut man auf den BMI, sind Paare somit nicht in jeder Hinsicht gesünder, wie bisher angenommen», so Jutta Mata.

In persönlichen Interviews wurden den Probanden in der Studie Fragen zu Ernährungsverhalten, zu Einstellungen zur Ernährung und zum Bewegungsverhalten gestellt. Das ermöglichte eine hohe Datenqualität. Denn die Selbsteinschätzung von Menschen, zum Beispiel bezüglich ihres Gewichtes, ist realistischer, wenn man sich dabei gegenübersitzt, anstatt beispielsweise bei telefonischen Befragungen.

Originalbeitrag

Mata, J., Frank, R., Hertwig, R. (2015)
Higher body mass index, less exercise, but healthier eating in married adults: Nine representative surveys across Europe.
Social Science & Medicine Volume 138, August 2015, Pages 119–127 | doi:10.1016/j.socscimed.2015.06.001


Weitere Auskünfte

Prof. Jutta Mata, Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Tel. +41 61 267 06 54, E-Mail: jutta.mata@unibas.ch

Prof. Ralph Hertwig, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, Tel. +49 30 82406-202, E-Mail: hertwig@mpib-berlin.mpg.de  

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