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Universität Basel

Grabungen im St. Johanns-Park: Skelette erzählen von harten Schicksalen

Studierende der Anthropologie beim Freilegen eines Skeletts. (Foto: Universität Basel, Roland Schmid)
Studierende der Anthropologie beim Freilegen eines Skeletts. (Foto: Universität Basel, Roland Schmid)

Dort, wo heute der St. Johanns-Park steht, befand sich im 19. Jahrhundert der Friedhof des Basler Bürgerspitals. Zurzeit bauen die IWB eine Leitung durch das Gelände. In einer Rettungsgrabung bergen nun Archäologen die historisch und wissenschaftlich wertvollen Gräber und Skelette und hoffen damit wichtige Lücken in der Basler Stadtgeschichte zu schliessen.

31. März 2015

Studierende der Anthropologie beim Freilegen eines Skeletts. (Foto: Universität Basel, Roland Schmid)
Studierende der Anthropologie beim Freilegen eines Skeletts. (Foto: Universität Basel, Roland Schmid)

Zwischen 1845 und 1868 diente der heutige St. Johanns-Park als Friedhof des Basler Bürgerspitals. Im 19. Jahrhundert wurden hier über 2500 Menschen hauptsächlich aus der sozialen Unterschicht Basels bestattet. Sie alle waren zur Behandlung ins Bürgerspital gekommen und dort verstorben. Heute bauen die IWB eine Leitung vom Fernheizkraftwerk Volta zum Universitätsspital durch das Gelände. Um die historisch einzigartigen Quellen vor den Bauarbeiten zu sichern, führt die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt zusammen mit der Universität Basel eine Rettungs- und Lehgrabung durch.

Einzigartige Quellenlage

Bereits in den Jahren 1988/89 wurden bei den Bauarbeiten zur Anlage des heutigen Parks 1061 Gräber freigelegt, dokumentiert und anthropologisch untersucht. Glücklicherweise sind von vielen der namentlich identifizierbaren Bestatteten die Krankenakten im Staatsarchiv erhalten geblieben. Dank des Bürgerforschungsprojekts Basel-Spitalfriedhof wurden über 800 Krankenakten transkribiert sowie tausende von Patientendaten und die Basler Volkszählung von 1850 erfasst. Diese einzigartige Quellenlage ermöglicht die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Archäologen, Anthropologen, Genealogen und Historikern. So ist das Forschungsprojekt gerade für die Medizingeschichte äusserst wertvoll.

Die Forschenden legen nun nochmals zwischen 40 bis 50 der wichtigsten Gräber frei, anschliessend werden die Skelette geborgen und für die Wissenschaft konserviert und archiviert. Bei den Grabungen, die bis zum 10. April andauern, sind rund 40 Studierende im Einsatz. «Die Studierenden erlernen hier Ausgrabungstechniken und den Umgang mit menschlichen Überresten, gleichzeitig setzen wir sie aber auch aktiv in der ebenfalls wichtigen Öffentlichkeitsarbeit ein», sagt Dr. Gerhard Hotz, Leiter der Lehrgrabung und Dozent am Fachbereich Integrative und Prähistorische Archäologie IPNA der Universität Basel.

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