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Universität Basel

17. Januar 2017

Erneuerbare Energien: Übergang zu marktnaher Förderung frühzeitig planen

Wenn die Schweiz die Entwicklung ihrer Stromversorgung eigenständig steuern möchte, ist eine weitere Förderung erneuerbarer Energien nach Auslaufen der kostendeckenden Einspeisevergütung sinnvoll. Denn das geplante Klima- und Energielenkungssystem wird diese Rolle nicht vollständig übernehmen können und sollte daher mit anderen Instrumenten ergänzt werden. Zu diesem Schluss kommen Forschende des Schweizer Energieforschungszentrums SCCER CREST mit Leading House an der Universität Basel in einem White Paper.

Die Energiestrategie 2050 des Bundes sieht einen substanziellen Anstieg der inländischen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien bis 2035 auf 11'400 Gigawattstunden pro Jahr (ohne Wasserkraft) vor. Derweil ist die Förderung der erneuerbaren Energien durch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) befristet. Fünf Jahre nach Inkrafttreten des ersten Massnahmenpakets, voraussichtlich 2018, sollen keine neuen Anlagen mehr über KEV-Tarife gefördert werden. Ausserdem soll es ab dem Jahr 2031 auch keine neuen Investitionsbeiträge bzw. Einmalvergütungen mehr geben. Die Energiestrategie 2050 sieht vor, dass die Fördermassnahmen für erneuerbare Energien durch ein Klima- und Energielenkungssystem (KELS) ersetzt wird, das Abgaben auf Brenn- und Treibstoffe sowie Strom erhebt.

Der angedachte KELS-Mechanismus kann zwar den Neubau fossiler Kraftwerke in der Schweiz vermeiden. Jedoch stellt er keine Garantie dar, dass in der Schweiz in erneuerbare Stromerzeugung investiert wird. Stattdessen ist davon auszugehen, dass die Stromimporte ansteigen. Das heisst, ohne weitere Massnahmen werden Investitionen in erneuerbare Energien von den europäischen Marktentwicklungen sowie globalen Kostenentwicklungen abhängig sein. Will die Schweiz die Entwicklung ihrer Stromversorgung eigenständig steuern, sind daher ergänzende Massnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien notwendig.

Zudem sind die externen Kosten konkurrierender Technologien im europäischen Markt nicht vollständig internalisiert; zum Beispiel liegen die Preise für CO2-Emissionen deutlich unter den Schätzungen für die verursachten Schäden. Die Förderung erneuerbarer Energien kann diesen Marktverzerrungen entgegenwirken.

Zu diesem Schluss kommen Schweizer Forschende des SCCER CREST, eines der acht Schweizer Energieforschungszentren, in einem gemeinsamen White Paper zum Thema Was kommt nach der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV): Fördern, Lenken, Abwarten? Darin zeigen die Autoren auf, mit welchen Massnahmen der Ausbau der erneuerbaren Energien nach Auslaufen der KEV gefördert werden kann.

Empfehlungen des White Papers

Zielsetzung einer potenziellen Förderung erneuerbarer Energien nach der KEV sollte die Versorgungssicherheit sein, die, entsprechend der Energiestrategie 2050, durch den Ausbau der erneuerbaren Energien gestärkt werden kann. Dabei ist die Kontrolle der Gesamtkosten der Förderung wichtig.

Die Autoren zeigen auf, dass diese Ziele mit zwei Gruppen von Massnahmen erreicht werden können: Entweder mit flexiblen Mengeninstrumenten – wie Quoten oder Ausschreibungen – oder mit flexiblen Preisinstrumenten – wie Einspeiseprämien.

Beide Massnahmen können marktnah gestaltet und so umgesetzt werden, dass eine sichere Kontrolle der Gesamtkosten möglich ist. Ein gutes Design der Massnahmen ist dabei entscheidend. Daher ist es wichtig, möglichst zeitnah mit der Planung zu beginnen.


Weitere Auskünfte

Andrea Ottolini-Voellmy, Geschäftsführerin / Managing Director SCCER CREST, Tel. +41 61 207 33 26, E-Mail: andrea.ottolini@unibas.ch

Swiss Competence Center for Energy Research CREST

Das Competence Center for Research in Energy, Society and Transition (CREST) trägt zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 bei, indem es detaillierte, forschungsbasierte Handlungsempfehlungen er-arbeitet. Diese Empfehlungen sollen dabei helfen, die Energienachfrage zu reduzieren, Innovationen zu fördern und den Anteil der regenerativen Energieerzeugung in einer kosteneffizienten Weise zu erhöhen. In CREST arbeiten Forschungsgruppen aus neun grossen Schweizer Forschungsinstitutionen zusammen, die gemeinsam die Handlungsfelder Wirtschaft, Umwelt, Recht und Verhalten abdecken.

CREST ist eines der acht Swiss Competence Centers for Energy Research (SCCER), mit denen der Bund die Forschung im Hinblick auf die Energiewende stärken möchte. Seit 2013 ist CREST ein Teil des thematischen Schwerpunkts Nachhaltigkeits- und Energieforschung an der Universität Basel. Ende vergangenen Jahres hat die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) die Förderung der acht SCCER bis Ende 2020 verlängert.

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