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Universität Basel

21. August 2014

Basler Archäologen entdecken reiche Gräber der Eisenzeit in Süditalien

Ein Ausgrabungsteam des Fachbereichs Klassische Archäologie der Universität Basel hat im süditalienischen Francavilla Marittima fünf neue Gräber der einheimischen Aristokratie des 8. Jahrhunderts v. Chr. entdeckt. Die Funde dieser Grabungssaison bieten weitere Einblicke in den damaligen Kulturaustausch im westlichen Mittelmeerraum.

Ein seltener Fund: Vollständig erhaltenes Skelett mit Trachtschmuck und Keramikbeigaben. (Foto: Universität Basel, Klassische Archäologie)
Ein seltener Fund: Vollständig erhaltenes Skelett mit Trachtschmuck und Keramikbeigaben. (Foto: Universität Basel, Klassische Archäologie)

Seit 2009 führt der Fachbereich Klassische Archäologie in Kalabrien regelmässig Grabungen in einem grossen Gräberfeld aus der Eisenzeit durch. Die Nekropole bei Francavilla Marittima gehört zu einer Siedlung, die wegen ihrer strategischen Lage sowohl den Verkehr über den Apennin als auch jenen entlang der Meeresküste kontrollierte.

Während der sechswöchigen Arbeiten konnten die Forschenden in diesem Sommer fünf Gräber aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. freilegen. Die Ausgrabungen geben neue Einblicke in die frühen Formen des Kulturaustausches im Mittelmeerraum. Die Funde zeigen, dass die Oberschicht der ansässigen Bevölkerung bereits vor der griechischen Erschliessung Süditaliens im 8. Jahrhundert v. Chr. in engem Kontakt mit den Griechen sowie mit orientalischen Händlern und Seefahrern – allen voran mit den Phöniziern – stand.

Ein reiches Frauengrab

Bei einem der Funde handelt es sich um das Grab einer rund 50 jährigen Frau, von der das komplette Skelett erhalten ist. Der Fund zeichnet sich vor allem durch den reichen und intakten Trachtschmuck aus Bronze sowie mehrere Tongefässe aus. Bemerkenswert ist auch, dass die Frau schon zu Lebzeiten die meisten ihrer Zähne verloren hat, ein deutliches Zeugnis der äusserst prekären Lebensbedingungen, unter denen auch die Angehörigen der Elite zu leiden hatten.

Insignien der Macht

Bei den Ausgrabungen konnte das Team auch ein beschädigtes Grab nahe der Erdoberfläche vor der drohenden Zerstörung retten. Es ist gleich mehrfach aussergewöhnlich, denn der Beigesetzte war ein wichtiger Mann aus der Oberschicht, der mit zahlreichen Insignien der Macht bestattet wurde. Neben einer grossen Eisenaxt, mehreren bronzenen Gewandschliessen, Ringen und Bernsteinanhängern sind insbesondere die Gefässbeigaben nennenswert, darunter ein grosser Bronzekessel und ein mit geometrischen Motiven bemalter Krater (Mischgefäss für Wein und Wasser) aus Keramik – beides Gefässe, die in Italien damals eigentlich noch fremd waren.

Die Forschenden vermuten, dass sie sogar direkt aus der griechischen Welt importiert sein könnten. Grabbeigaben wie diese sind Zeugnis von der Intensität der Kontakte zwischen den einheimischen Eliten Italiens und ihren Standesgenossen in Griechenland und im Vorderen Orient.

Grabungskampagne 2014

Die diesjährige Lehr- und Forschungsgrabung fand in Kooperation mit der archäologischen Behörde Kalabriens statt und wurde vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt. An der Kampagne nahmen neun Basler Studierende, eine Anthropologin und eine wissenschaftliche Zeichnerin teil. Prof. Martin A. Guggisberg und Dr. des. Camilla Colombi vom Departement Altertumswissenschaften sowie lic. phil. Norbert Spichtig von der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt (in ausserberuflicher Tätigkeit) leiteten die Feldarbeiten.

 

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