x
Loading
+ -

Universität Basel

06. August 2015

Ausgrabungen in Francavilla Marittima: Krieger in Kalabrien

Geduld und Präzision: Eine Studentin legt das Eisenschwert aus dem Kriegergrab frei.
Geduld und Präzision: Eine Studentin legt in einem Kriegergrab ein Eisenschwert frei. (Bild: Universität Basel, Departement Altertumswissenschaften)

Archäologen der Universität Basel haben im süditalienischen Francavilla Marittima zwei Kriegergräber aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. mit einzigartigen Waffen und Gefässbeigaben entdeckt. In einer zerstörten Grabstätte konnten sie ausserdem frühe Exemplare der eisenzeitlichen Kunst Italiens sichern und damit spannende Fortschritte bei der Untersuchung der Begegnungsstätte zweier Kulturen machen.

Die diesjährige Grabungskampagne der Studierenden und Dozierenden des Fachbereichs Klassische Archäologie im einheimischen Gräberfeld von Francavilla Marittima in Kalabrien sorgte für Überraschungen: Während in den vorangegangenen Kampagnen vor allem Gräber von Frauen und Kindern entdeckt wurden, waren es diesmal die Ruhestätten zweier reicher Krieger.

Schwert, Lanze und Axt

Einer der beiden Männer war mit einem aussergewöhnlichen Eisenschwert ausgerüstet, dem ersten seiner Art in der ganzen Nekropole. Der andere verfügte über eine gut erhaltene Lanze und ein Kurzschwert, ausserdem besass er eine eiserne Axt – vielleicht ein Opfergerät – sowie reiche Gefässbeigaben. Die beiden Gräber datieren aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. und damit aus dem Zeithorizont, in dem um 720 v. Chr. in Sichtdistanz zur einheimischen Siedlung von Francavilla die griechische Kolonie Sybaris an der Küste gegründet wurde.

Die Forscherinnen und Forscher der Basler Universität untersuchen am Beispiel der Gräber dieses wichtigen Kontaktortes den Prozess der Begegnung zwischen der einheimischen Bevölkerung und orientalischen Seefahrern und Händlern, die sich in dieser Periode erstmals dauerhaft in Italien niederliessen. Ob die beiden Krieger vor oder nach der Ankunft der Griechen starben, lässt sich vorerst nicht mit Gewissheit sagen. In jedem Fall wirft ihre prominente Waffenausstattung die Frage nach dem Ausmass von bewaffneten Konflikten zur Zeit der ersten Begegnung von Einheimischen und Griechen auf. 

Götterbilder

Bei ihrer sechswöchigen Ausgrabungskampagne stiessen die Basler Archäologinnen und Archäologen ausserdem auf ein bei Bauarbeiten zerstörtes Grab aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., dessen Überreste sie sicherten. Zu den hier gemachten Funden gehören eine Statuette aus Ton und drei Anhänger aus Bronze in Form eines menschlichen Paares, das sich umarmt. Sie gehören zu den frühesten Menschenbildern in der eisenzeitlichen Kunst Italiens und stellen vermutlich ein Götterpaar dar.

Darstellungen dieser Art sind ausserordentlich selten, ihre Konzentration in einem einzigen Grab ist bislang einzigartig. Die Entstehung der frühen Menschenbilder darf als Folge des Kontaktes mit den Kulturen des östlichen Mittelmeerraumes angesehen werden. Im Grab dienten sie vermutlich dem Schutz des verstorbenen Kindes, dem sie beigegeben worden waren.

Die Kampagne 2015

Die siebte Lehr- und Forschungsgrabung fand in Kooperation mit der archäologischen Behörde Kalabriens statt und wurde vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt. An der Kampagne nahmen acht Basler Studierende, eine Anthropologin und eine wissenschaftliche Zeichnerin teil. Prof. Martin A. Guggisberg und Dr. des. Camilla Colombi vom Departement Altertumswissenschaften sowie lic. phil. Norbert Spichtig von der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt (in ausserberuflicher Tätigkeit) leiteten die Feldarbeiten.

nach oben