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Universität Basel

Verleihung des Wissenschaftspreises der Stadt Basel an Silvia Arber

Der diesjährige Wissenschaftspreis der Stadt Basel geht an Prof. Dr. Silvia Arber. Ausgezeichnet wird die am Biozentrum der Universität Basel und am Friedrich Miescher Institut Basel tätige Neurobiologin für ihre herausragenden Arbeiten in der Hirnforschung.

08. Juli 2014

Der Regierungsrat hat den diesjährigen Wissenschaftspreis an Prof. Dr. Silvia Arber verliehen. Der Wissenschaftspreis in der Höhe von 20'000 Franken wird alljährlich und im Turnus der sieben Fakultäten Forschenden zuerkannt, die zur Universität Basel in Beziehung stehen und sich durch herausragende wissenschaftliche Leistungen hervorgetan haben. Der Regierungsrat ehrt die 1968 geborene Neurobiologin auf Grund ihrer überragenden Forschungsbeiträge zum Verständnis der Funktionsweise und Entwicklungsmechanismen von neuronalen Netzwerken und Schaltkreisen, welche die Bewegung des Körpers kontrollieren.

Silvia Arber hat in Basel am Biozentrum studiert und ihre Dissertation im Friedrich-Miescher Institut (FMI) 1995 abgeschlossen. Danach ging sie für vier Jahre an die Columbia Universität in New York. In dieser Zeit arbeitete Silvia Arber an Forschungsprojekten, welche sie nach ihrer Rückkehr ins Biozentrum und ans FMI im Jahre 2000 als unabhängige Forschungsgruppenleiterin weiterverfolgte. Seit 2008 ist Silvia Arber Ordinaria für Neurowissenschaften und Zellbiologie am Biozentrum der Universität Basel und am FMI.

Das von Silvia Arber erforschte motorische Nervensystem ist ein ausgeklügeltes Netzwerk von miteinander verbundenen Nervenzellen im Grosshirn, Hirnstamm und im Rückenmark, welche die Bewegungsabläufe der Muskeln koordinieren. Auf die Perfektion dieses Systems verweisen beispielsweise die hochkomplexen Bewegungsabläufe beim Tennis- oder Klavierspiel. Die Perfektion und Komplexität einer motorischen Bewegung wird uns auch dann bewusst, wenn sie beeinträchtigt ist oder gar nicht mehr funktioniert. Die Behandlung von Störungen der Bewegungsabläufe nun setzt voraus, dass man die genauen Mechanismen dieses Systems versteht. In ihren Forschungen konzentriert sich Silvia Arber deshalb vor allem auf das Zusammenspiel zwischen Rückenmark, Hirnstamm und Muskeln. Obwohl dieses Zusammenspiel auf den ersten Blick relativ einfach aussieht, ist die Funktionsweise doch hoch komplex. Entsprechend fehlten über längere Zeit geeignete experimentelle Möglichkeiten für ihre Erforschung. Hier setzt die Forschungstätigkeit von Silvia Arber an; sie zeichnet sich durch die Kreativität aus, das Regelwerk zwischen Rückenmark, Hirnstamm und Muskeln experimentell darzustellen und dadurch bestimmte Bewegungsabläufe einem bestimmten neuronalen Netzwerk zuordnen zu können.

Im Januar und April 2014 wurden Arbers jüngste Forschungsergebnisse in zwei der renommiertesten Fachzeitschriften veröffentlicht. Die erste Arbeit befasst sich mit dem komplexen Regelwerk zwischen den Nervenzellen im Rückenmark und denjenigen im Hirnstamm, welche eine präzise Kommunikation zwischen den in Auftrag gebenden und den ausführenden Bewegungszentren reguliert. Die Ausübung von Bewegungsabläufen beruht auf einer kontinuierlichen Abstimmung interner Regelkreise von aktivierenden und hemmenden Signalübertragungen. Arber hat gezeigt, dass die entsprechenden Regelkreise bereits sehr früh in der Entwicklung festgelegt werden, und dass die entwicklungsbiologischen Prinzipien (und nicht funktionelle Signale) direkt den Aufbau der Regelkreise bestimmen. Die zweite Arbeit befasst sich mit den speziellen Fähigkeiten der Hände beziehungsweise der Vorderpfoten von Mäusen, die im Unterschied zu den Füssen beziehungsweise Hinterpfoten feinabgestimmte Greiffähigkeiten haben. Wie wir Menschen benutzen auch Mäuse ihre Vorderpfoten beispielsweise für das Ergreifen und Festhalten von Nahrungsmitteln. Es gelang der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Silvia Arber, die Nervenzellen im Hirnstamm zu identifizieren, welche für die feinabgestimmten Bewegungsabläufe in den Vorderpfoten zuständig sind.

Schon früh in ihrer Karriere bekam Silvia Arber diverse Preise als Nachwuchswissenschaftlerin; zu nennen wären der Pfizer Forschungspreis (1998), der National Latsis Preis (2003), der Schellenberg Preis (2005) und der Friedrich Miescher Award (2008). Dieses Jahr wurde ihr bereits der Otto Naegeli Preis 2014 verliehen, einer der höchstdotierten Preise in der Schweiz für hervorragende Forschungsleistungen. Neben ihrer Forschungs- und Publikationsarbeit zeichnet sich Frau Prof. Dr. Silvia Arber zudem durch ihr Engagement in der Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus. Ihrer Begeisterungsfähigkeit für die Forschung kann sich in ihrer Forschungsgruppe kaum jemand entziehen kann. Hervorzuheben ist denn auch, dass viele der bahnbrechenden Erkenntnisse von Silvia Arber mit ihrer eigenen Forschungsgruppe generiert worden sind. Sie motiviert und unterstützt ihre jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ermutigt sie, über ihre eigenen Grenzen hinauszuwachsen. Mit der Verleihung des Wissenschaftspreises 2014 an Silvia Arber ehrt die Stadt Basel damit nicht nur eine herausragende Nachwuchswissenschaftlerin der Universität Basel und ein erfolgreiches Vorbild für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern setzt auch ein Zeichen für die Bedeutung, die der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchs für den hiesigen Forschungsplatz zukommt.

Feierliche Übergabe des Wissenschaftspreises, Dienstag, 28. Oktober 2014, Grossratssaal.

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