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Universität Basel

29. Mai 2015

Universitätsbibliothek Basel holt sich Wikipedia ins Haus

Der Ingenieur Micha Rieser hat sich schon vor Jahren der Open-Data-Bewegung verschrieben. Seine Überzeugung, dass Wissen öffentlich und kostenlos für jedermann zugänglich sein sollte, führte ihn schliesslich zu Wikipedia. Als sogenannter «Wikipedian in Residence» an der Universitätsbibliothek Basel versucht er nun die beiden Welten einander näherzubringen.

Wikipedia ist längst zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Lebens geworden – kaum eine Recherche, die ihren Anfang nicht hier nimmt. Wikipedia belegt die Spitzenränge in den Google-Suchtreffern und beeinflusst die Welt der Informationen nachdrücklich. Im wissenschaftlichen Bereich und bei den traditionellen Gedächtnisinstitutionen wie Bibliotheken und Archive steht man der Vormachtstellung der Online-Enzyklopädie eher verhalten gegenüber. Der Umgang mit dem Medium will gelernt sein und kritisches Hinterfragen ist durchaus angebracht.

Micha Rieser, Wikipedian in Residence
Wikipedian in Residence Micha Rieser hat über 300 Artikel auf Wikipedia verfasst.

Dennoch, die Realität zeigt, dass Nutzerinnen und Nutzer heute ihre Recherchen online und nicht mehr im Bibliothekskatalog beginnen, und dort taucht Wikipedia meist ganz oben auf. Ob sie im Anschluss ihren Weg bis in die Bibliotheken und Archive finden, hängt oft davon ab, ob deren Bestände in den online-Artikeln referenziert und verlinkt sind. «Für Archive und Bibliotheken bietet sich durch die Zusammenarbeit mit der Wikipedia-Community die Chance, näher an die bisherigen und an neue Bibliotheksnutzer zu treten», erklärt Rieser, der bereits über 300 eigene Artikel verfasst hat.

Erster Wikipedianer an Schweizer Universitätsbibliothek

Es sind nach wie vor die Bibliotheken und Archive, in denen das nötige Fachwissen und Bildmaterial für qualitativ hochstehende Wikipedia-Artikel liegt. «Wikipedianer sind sehr interessiert an diesem Quellenmaterial. Bisher war aber das Unverständnis gegenüber Anfragen von Wikipedia diesbezüglich gross. Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken und Wikipedianer wäre aber eine Win-win-Situation», so Rieser. Um diese Annäherung zu beschleunigen, ist er nun seit März 2015 bei der Universitätsbibliothek Basel als Wikipedian in Residence für sechs Monate angestellt. Damit hat Basel als erste Universitätsbibliothek der Schweiz ein solches Programm eingeführt. Der Direktor ad interim der Universitätsbibliothek, Felix Winter, nennt im Videointerview die Beweggründe für dieses Engagement:

Der erste Wikipedian in Residence arbeitete 2010 für das British Museum. In der Schweiz haben zuvor das Schweizerische Bundesarchiv und die Nationalbibliothek ein solches Engagement durchgeführt. Die  positiven Ergebnisse dieser Aufenthalte haben dann auch die Leitung der UB Basel dazu bewogen, sich einen Wikipedianer ins Haus zu holen. «Ich sehe mich in meiner Aufgabe hier als Vermittler zwischen den beiden Welten und als Berater. Ich schule die Bibliotheksmitarbeiter im Umgang mit Wikipedia, damit die Bibliothek sich selbständig auf Wikipedia ausrichten kann.»

Infoveranstaltungen und Workshops

Rieser führt aber nicht nur Mitarbeiterschulungen für die Bibliothek durch: auf dem Programm stehen auch eine Reihe von Infoveranstaltungen und Workshops für Studierende und Universitätsangehörige. Wer sich gerne mal selber am Erstellen eines Artikels versuchen möchte, kann das in der Schreibwerkstatt vom 5. Juni 2015 unter Anleitung tun. Anmeldungen bitte an micha.rieser@unibas.ch

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