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Universität Basel

02. Dezember 2019

Die Psyche pflegen wie Zähne putzen

Halili und Brandt im Kollegienhaus.
Fatljume Halili (links) und Linda Brandt (rechts) setzen sich dafür ein, dass auch über psychische Gesundheit gesprochen wird, wenn es einem gut geht. (Foto: Oliver Hochstrasser).

Im Gegensatz zum körperlichen Wohlbefinden wird psychische Gesundheit zu wenig thematisiert, finden die Vertreterinnen von Mind-Map. Der Studierendenverein will die Sichtbarkeit des Themas an der Universität Basel erhöhen.

Eigentlich wollte Fatljume Halili, die Medienwissenschaft und Anglistik studiert, nur eine eigene Broschüre über universitäre Angebote bei psychischen Schwierigkeiten gestalten. Mit dem Thema verbindet sie nämlich auch eine persönliche Geschichte. «Damals, vor zwei Jahren, wurde hier sehr wenig gemacht», erinnert sie sich.

Ein Professor unterstützte ihren Handlungsdrang und riet ihr, einen Studierendenverein zu gründen. Heute zählt Mind-Map zwölf aktive Mitglieder, darunter auch Linda Brandt, die für ihr Masterstudium in Sprache und Kommunikation nach Basel kam. Für Mind-Map engagiert sie sich im Bereich Networking und Marketing – wie die übrigen Mitglieder arbeitet auch sie ehrenamtlich.

Barrieren während dem Studium

Die knappen Finanzen und der Leistungsdruck allein können für viele Studierende bereits hohe Hürden im Alltag bilden. Kommen dann noch schwierige Umstände hinzu, können die Betroffenen schnell in eine persönliche Krise geraten. Dass es in solchen Situationen verschiedene Anlaufstellen an der Universität gibt, sei aus Sicht der Studierenden noch immer zu wenig bekannt, sagt Halili.

Hier setzt der Verein an. Mind-Map informiert über psychische Gesundheit und sieht sich selbst als eine niederschwellige Anlaufstelle für Studierende und Doktorierende. «Wir sind zwar keine Psychologinnen, bieten aber eine unterstützende Gemeinschaft», erklären Halili und Brandt. Je nach Fall leiten sie die Anfragenden dann an entsprechende universitäre Servicestellen weiter.

Knackpunkt Prävention

Die Kommunikation des Angebots an der Universität habe sich in den letzten Jahren merklich verbessert, loben die beiden. Sie wünschen sich jedoch, dass an den Hochschulen auch vermehrt präventive Massnahmen ergriffen werden. Halili findet klare Worte: «Universitäten bilden doch die Arbeitskräfte von morgen aus. Wir bezweifeln, ob das nachhaltig funktionieren kann, wenn die Uni nicht vermittelt, wie mit psychischer Gesundheit umzugehen ist.»

Gaudenz Henzi, Leiter der Sozialberatungsstelle an der Universität Basel, findet es positiv, wenn Studierende selbst dem Thema Öffentlichkeit geben. «Das niederschwellige Konzept von Mind-Map erleichtert den Betroffenen zudem den Zugang zu universitären Fachstellen», erklärt er. So könne das Angebot des Vereins durchaus als wertvolle Ergänzung angesehen werden.

Gegen die Tabuisierung

Die Schwierigkeit ist, dass psychische Erkrankungen meist unsichtbar sind – weder wird darüber gesprochen, noch sind sie optisch wahrnehmbar. Mind-Map versucht deshalb auch, durch Veranstaltungen Sensibilisierungsarbeit zu leisten. Brandt ist zufrieden mit den bisherigen Rückmeldungen. Über psychische Gesundheit zu sprechen sei für viele ein Bedürfnis, doch: «All unsere Pläne mit freiwilligem Engagement abzudecken, wäre eine grosse Herausforderung.»

Trotzdem denkt der Verein auch über Basel hinaus: Mind-Map hat dieses Jahr gemeinsam mit der Swiss Medical Students’ Association und dem Verband Schweizer Studierendenschaften eine nationale Kampagne ausgerollt, bei der nächsten Frühling eine Umfrage zur psychischen Gesundheit von Studierenden durchgeführt wird. Die Ressourcen seien in der Schweiz zwar vorhanden, das Bewusstsein und Daten über psychische Erkrankungen aber sehr mangelhaft, so die beiden Studentinnen. «Man weiss ja, dass körperliche Gesundheit wichtig ist: regelmässiger Sport, Ernährung, sogar Aktivitäten wie das Zähneputzen. Die Psyche hingegen wird oft erst dann zum Thema, wenn die Dringlichkeit sehr hoch ist.»


Podium zum Thema 

«Wie spricht man an der Universität Basel über psychische Gesundheit?», Dienstag, 26. November 2019, 18.30 Uhr, Verso, Petersgraben 50, Basel. Podium mit Studierenden sowie Vertreterinnen und Vertretern der Universität, organisiert von Mind-Map.

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