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Universität Basel

12. Juni 2014

Der Bloomsday kommt nach Basel

Jedes Jahr am 16. Juni wird auf der ganzen Welt der Bloomsday gefeiert. An diesem Tag gedenken Literaturbegeisterte dem irischen Schriftsteller James Joyce und stellen die Geschehnisse seines berühmten Romans «Ulysses» nach. Nun bringt der Fachbereich Englisch diese Tradition auch nach Basel. Michelle Witen, Assistentin für englische Literatur, über Joyce, Bloomsday und ihre Leidenschaft für «Ulysses».


Michelle Witen, warum organisieren Sie einen Bloomsday an der Universität Basel?

Es ist das zweite Mal, dass ich die Feierlichkeiten am Englischen Seminar organisiere: Letztes Jahr entstand das Fest aus einer spontanen Idee heraus, während ich ein Seminar zu «Ulysses» unterrichtete. Da es sich als grosser Erfolg herausstellte und die Studierenden begeistert bei der Sache waren, beschloss ich, dieses Jahr wieder einen Bloomsday zu organisieren und hoffe, dass wir damit den Beginn einer alljährlichen Tradition markieren.

Warum wird der Bloomsday auf der ganzen Welt gefeiert?

1922 veröffentlichte der irische Schriftsteller James Joyce sein Hauptwerk «Ulysses». Der Roman spielt in Dublin und beschreibt die Ereignisse eines einzigen Tages – des 16. Juni 1904. Namensgeber ist die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom. In Dublin feiert die ganze Stadt den Bloomsday mit öffentlichen Lesungen und Theateraufführungen an Strassenecken oder Pubs, die im Roman erwähnt werden. Wir möchten das im kleinen Rahmen am Englischen Seminar nachbilden und damit etwas von der Begeisterung für Joyce und sein Werk auch nach Basel bringen.

Wie sieht das Programm aus?

Gäste können sich auf Essen, Theater und Musik freuen. Ab 17 Uhr feuern wir den Grill an und die Gäste sind eingeladen, ihr eigenes Grillgut mitzubringen. Ausserdem haben Studierende eine kulinarische Odyssee durch «Dubliners», eine Sammlung von Kurzgeschichten, vorbereitet. Um 18.30 Uhr spielen wir dann eine Reihe von Szenen aus dem Ulysses-Kapitel «Wandering Rock» nach. Im Anschluss folgen Lieder aus dem Werk von Joyce und Live-Musik der irischen Folkband Luas. Die Veranstaltung ist offen für alle.

Warum ist «Ulysses» so bedeutend in der Welt der Literatur?

«Ulysses» gilt als richtungsweisend für den modernen Roman und erscheint in Bücherlisten regelmässig in den Top Ten. Für «Ulysses» liess sich Joyce von der Struktur von Homers Odyssee inspirieren und übertrug diese auf Dublin und das alltägliche Leben. Ausserdem schrieb er jedes der Kapitel in einem eigenen Stil und experimentierte mit verschiedenen Genres und Stilelementen. Die Tatsache, dass der Roman stark zensiert und vielerorts sogar verboten wurde, verhalf ihm von Anfang an zu grosser Popularität: Die direkte und sehr anschauliche Art, mit der Joyce alltägliche Geschehnisse beschreibt, galt damals als obszön. Ich hoffe, dass durch den Bloomsday die Arbeit von Joyce zugänglicher wird, so dass die Gäste sein grosses Talent für sich selber entdecken können.

Sie haben Ihre Dissertation zu «Ulysses» verfasst – warum?

In meinem letzten Jahr an der University of Western Ontario in Kanada besuchte ich ein Seminar zu «Ulysses». Diese Erfahrung hat meine Einstellung zu Literatur komplett verändert: Der Roman schaffte es, alles was ich zuvor gelesen hatte zusammenzufassen und gab ihm eine neue Relevanz. Das hat mir regelrecht die Augen geöffnet. Besonders interessierte mich der Gebrauch von musikalischen Strukturen in Joyces Werk. Da ich einen Abschluss in Musik und Literatur habe, bot sich dieses Thema geradezu an. Ich habe mich dann für einen PhD in Oxford beworben, wurde angenommen, und habe letztes Jahr erfolgreich abgeschlossen. Zurzeit arbeite ich daran meine Dissertation in eine Monographie umzuschreiben und diese zu veröffentlichen.


«Bloomsday in Basel»: 16. Juni, 2014, ab 17 Uhr, Englisches Seminar, Nadelberg 6, freier Eintritt.

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