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Universität Basel

31. Januar 2000

MGU-Forschung: Forschen – finden – bewegen

Die Stiftung Mensch-Gesellschaft-Umwelt (MGU) des Kantons Basel-Landschaft, die an der Universität Basel Lehre und Dienstleistungen anbietet, führt auch ein eigenes Forschungsprogramm. Mit seinen Kriterien – interdisziplinär, partizipativ, gesellschaftlich relevant, regionalbezogen, umsetzungsorientiert – ist es einzigartig in der schweizerischen Forschungslandschaft. Eine neue Broschüre stellt das Programm vor.

MGU betreibt Wissenschaft und Forschung im Dienst der Nachhaltigkeit. Und was sich in den Naturwissenschaften zaghaft als Paradigmenwechsel ankündigt – nämlich dass die Wissenschaft ihre Fragen und Ziele nicht allein, sondern im Dialog mit der Gesellschaft erarbeiten sollte –, war bei MGU von Anfang an Programm: «Wir wollen dringende Fragen, die von der Gesellschaft an die Wissenschaft gestellt werden, aufgreifen und die Fragenden und Betroffenen in den Forschungs- und Lösungsprozess einbinden», erläutert Prof. Leo Jenni, der die Koordinationsstelle MGU seit acht Jahren leitet.

Doppelträgerschaft – ein schweizerisches Novum

Konkret sieht das so aus, dass ausseruniversitäre Institutionen oder Personen in den Forschungsprojekten mitarbeiten und dass die Umsetzung der Ergebnisse integral zur Projektarbeit gehört. Das Kriterium der Mitarbeit von ausseruniversitären Stellen wurde in der Ausschreibung der 3. Forschungsperiode 2000-2002 noch verschärft: Eine inner- und ausseruniversitäre Doppelträgerschaft sowohl personell als auch finanziell und ideell ist Grundbedingung eines jeden Projekts – ein Novum in der schweizerischen Forschungslandschaft.

Projektbeispiel Allschwiler Wald

Die neue Broschüre stellt unter anderem sechs Projekte der 2. Forschungsperiode 1997–1999, die diese Kriterien beispielhaft anwendeten, ausführlich vor. Zum Beispiel das Projekt «Allschwiler Wald»: Ein Team von Natur- und SozialwissenschaftlerInnen und Förstern untersuchte das Freizeitverhalten der Bevölkerung im Naherholungsgebiet Allschwiler Wald sowie dessen Einfluss auf die Artenvielfalt. Die Untersuchung zeigte, dass mit steigender Nutzung die Vielfalt an Pflanzen und Tieren abnimmt. Aber das Team blieb nicht bei dieser Antwort stehen, sondern entwickelte Strategien, mit welchen Massnahmen die Schäden vermindert oder vermieden werden können. Die Strategien wurden bei den entsprechenden Behörden vorgestellt; einige Massnahmen werden bereits umgesetzt.

Weiter entstand die Arbeitsgruppe «Freizeit im Allschwiler Wald», in der Vertreter der Bürgergemeinde und des Gemeinderats Allschwil, des Forstamts beider Basel sowie Projektleiter Prof. Bruno Baur und der Biologe Hans-Peter Rusterholz, beide an der Universität Basel, gemeinsam ein Naherholungskonzept erarbeiten. Ausserdem finden die Ergebnisse des Projekts Eingang in die Waldentwicklungspläne, die aufgrund des neuen Waldgesetzes erstellt werden müssen. Doch damit nicht genug: Aus dem Projekt entstand ein Folgeprojekt, das jetzt in der 3. Forschungsperiode beginnt und die ökonomischen Folgen des Freizeitverhaltens untersucht. Die am ersten Projekt beteiligten Förster Markus Lack und Christian Gilgen sind dabei Mitgesuchsteller, und das Kreisforstamt beider Basel und die Bürgergemeinde Allschwil sind in der Trägerschaft.

Vom Forscher zum Unternehmer

MGU-Forschungsprojekte können ganz unterschiedlich aussehen und zum Teil überraschende Wendungen nehmen: Der Psychologe Urs Aeschbacher und der Physiker Erich Huber entwickelten im Rahmen eines Forschungsprojekts Demonstrationsexperimente, die das Entstehen von Ozonloch und Treibhauseffekt für Laien nachvollziehbar machen. Die beiden Forscher wurden von der Nachfrage nach ihren aussergewöhnlichen Modellen - an der Medienorientierung wurden sie vorgeführt - überrascht und gründeten daraufhin eine eigene Firma, mit der sie die Demonstrationsexperimente an Schulen und Instituten vertreiben und neue Experimente entwickeln. Im Rahmen der internationalen Kampagne für klimafreundliche Kühlmittel in Indonesien, Indien und China sind die Demonstrationsexperimente ebenfalls im Einsatz, und demnächst werden sie an der Weltausstellung in Hannover zu sehen sein.

Die ExpertInnenkommission

Das MGU-Forschungsprogramm wird seit seinem Start 1994 von der ExpertInnenkommission und der Koordinationsstelle kontinuierlich weiterentwickelt. Die Entwicklung kann in der Broschüre nachverfolgt werden. Die siebenköpfige ExpertInnenkommission überwacht die wissenschaftliche Qualität und Originalität der Forschungsprojekte und begleitet die Forschungsteams. Kommissionspräsidentin Dr. Ursula Brunner führt aus: «Bei MGU haben wir die Möglichkeit, die Projekte sehr sorgfältig zu beurteilen unter Beizug von externen ExpertInnen aller wichtigen Fachkompetenzen – ein einzigartiger Luxus in der schweizerischen Forschungslandschaft.»

Zahlen und Finanzen

Die Broschüre legt auch alle Zahlen zu den einzelnen Projekten (z.B. Budget und Drittmittel) und zu den Forschungsperioden offen. Die 2. Forschungsperiode 1997–1999, die im Zentrum der Broschüre steht, hatte ein Gesamtbudget von 2,1 Mio. Franken zur Verfügung und konnte 950'000 Franken Drittmittel erschliessen. An den 13 bewilligten Projekten waren insgesamt 67 Forschende beteiligt.

MGU ist eine Stiftung des Kantons Basel-Landschaft; bei ihrer Gründung 1991 wurde sie mit einem Kapital von 16 Mio. Franken ausgestattet.


Die 32seitige, farbige Broschüre «Forschen - Finden - Bewegen» kann gegen einen adressierten und frankierten C4-Briefumschlag bezogen werden (Einzelexemplar gratis, jedes weitere Exemplar Fr. 5.-): Koordinationsstelle MGU, Socinstrasse 59, Postfach, 4002 Basel.

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