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Ehrenpromotion Philosophisch-Historische Fakultät
Laudatio

Die Philosophisch-Historische Fakultät verleiht die Würde eines Doktors der Philosophie ehrenhalber an
Frau Swetlana Geier von Kiew
- die eine herausragende Vermittlerin russischer Kultur im deutschsprachigen Raum ist;
- die mit der Art ihrer Übersetzungen russischer Literatur wichtige Anregungen für die wissenschaftliche
Auseinandersetzung mit den jeweiligen Werken und deren historisch-gesellschaftlichem Kontext gegeben hat;
- die mit Vorträgen und Lesungen immer wieder Bezüge zur Universität und Region Basel hergestellt hat.
Lebenslauf
Swetlana Geier
Frau Swetlana Geier, geb. Ivanow, wurde 1923 in der Nähe von Kiew (UdSSR) geboren; die Eltern waren beide Russen. In ihrer behüteten Kindheit erhielt sie Privatunterricht in Deutsch und Französisch. Nach Kriegsbeginn ergab sich eine Übersetzungstätigkeit im Geologischen Institut der Unkrainischen Akademie der Wissenschaften; anschliessend arbeitete sie als Dolmetscherin auf der Baustelle der Dortmunder Brückenbau AG. Nach Stalingrad begann der Rückzug der deutschen Truppen und die Kiewer Baustelle musste aufgegeben werden (Sprengung der Brücke). Nach ihrer Festnahme befanden sich Mutter und Tochter für ein halbes Jahr im Ostarbeiterlager in Dortmund. Nach der mutigen Rettung durch gute Freunde folgte für Frau Geier die Begabtenprüfung und ein Alexander-von-Humboldt-Stipendium. Anschliessend schloss sie das Studium der Literaturwissenschaft und Vergleichender Sprachwissenschaft an der Universität Freiburg ab. Es folgten Heirat und Geburt zweier Kinder. Im Jahre 1953 wagte Frau Geier den ersten Übersetzungsversuch mit Veröffentlichung in der neu gegründeten Rowohlt Klassiker-Reihe; seither hat sie zahlreiche Bücher aus dem Russischen übersetzt.
Weitere Stationen im Leben von Frau Geier :
1960 Lektorat für russische Sprache und Literatur im Rahmen des Studiums Generale an der Universität Karlsruhe, ab 1964 umgewandelt in einen 8-stündigen Lehrauftag (bis heute); 1964–1988 Lektorat für Russisch am Slavischen Seminar der Albert-Ludwig-Universität Freiburg; 1979–1983 Lehrauftrag für Russische Sprache und Literatur an der Freien Universität Witten- Herdecke; – Aufbau des Russisch-Unterrichts als ein Pflichtwahlfach an einem Freiburger Gymnasium während 6 Jahren im Auftrag des Freiburger Oberschulamts; Betreuung des russischen Sprachunterrichts an den Waldorfschulen in West- und später auch in Ostdeutschland während 25 Jahren.
Seit dem Abschied von der Universität Freiburg i.Br. widmet sich Frau Geier verstärkt ihrer Übersetzertätigkeit, unter anderem in den letzten elf Jahren der Neu-Übersetzung der fünf grossen Romane von Dostojewskij.
Frau Geier erhielt zahlreiche Auszeichnungen:
1994 Anerkennungsstipendium des Landes Baden- Württemberg 1994 Jäggi-Preis der Basler Buchhandlung 1995 Reinhold-Schneider-Preis der Stadt Freiburg 1995 Leipziger Übersetzungspreis für Europäische Verständigung 1998 Goldene Eule der Deutschen-Sokratischen Gesellschaft, Mannheim 1998 Verdienstmedaille der Universität Karlsruhe 2001 Wilhelm-Merton-Preis der Gontard und Metallbank AG, Frankfurt a.M. 2003 Anerkennungsmedaille des Landes Baden- Württemberg
Würdigung durch die Philosophisch-Historische Fakultät
Frau Swetlana Geier ist die derzeit wohl bedeutendste Übersetzerin russischer Literatur im deutschsprachigen Raum. Aufsehen erregt hat zuletzt ihre Neuübertragung der Werke Fjodor Dostojewskijs, die ganz neues Licht auf seine Romane geworfen haben. Nicht minder wichtig sind ihre Übersetzungen von Werken Tolstojs, Belyjs, Bulgakows oder Solschenizyns. So hat sie in entscheidender Weise dazu beigetragen, russische Kultur und Geschichte zu vermitteln. In zahlreichen Lehrveranstaltungen haben ihre Übersetzungen Studierenden, die der russischen Sprache nicht mächtig waren, geholfen, sich mit wesentlichen Grundlagen jenes Kulturkreises vertraut zu machen.
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